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Hugo Wiener
Total heiter

Amalthea
1994
317 Seiten


Von Alfred Ohswald am 22.07.1999

  Hugo Wiener schreibt Satiren über den ganz normalen Alltag ähnlich Kishon. Allerdings sind seine Satiren meist kürzer, deftiger und direkter. Wo Kishon dem Leser ein Schmunzeln entlockt, muß man bei Wiener oft herzlich lachen. Wer Satiren gern liest, wird hier einen der besten Autoren in diesem Genre vorfinden.
 
 Leseprobe:
  Schmiedl war ein Wohltäter. Dem Heim für alte Damen wollte er seine Schwiegermutter spenden, dem Heim für Trinker seinen Schwager. Beides wurde abgelehnt. Für unterentwickelte Länder hatte Schmiedl nichts übrig, und überentwickelten Mädchen gab er direkt.
  Schmiedl war ein Wohltäter.
  Schmiedl war ein Wohltäter. Er wurde zu einem Caritas-Bazar geladen. Zugunsten verarmter Steuerzahler. Er sah zwei Vasen. "Was kosten die Beiden?" fragte er.
  "Hundert Schilling."
  "Und eine?"
  "Sechzig Schilling."
  "Dann nehme ich die andere." Schmiedl war ein Wohltäter.
  Schmiedl war ein Wohltäter. Er konnte nicht sehen, wie andere hungerten. Er machte die Augen zu. Für Almosenheischende hatte er immer etwas übrig. Meist war es ein gutes Wort. Und als ein solcher einmal sagte: "Ich habe seit drei tagen nichts gegessen", antwortete Schmiedl: "Das ist nicht gesund, Sie müssen sich zwingen." Schmiedl war ein Wohltäter.
  Eines Tages wurde er krank. Sein Arzt wußte nicht, was ihm fehlte, also wurde ein aus drei Ärzten bestehendes Konsilium einberufen. Jetzt wußten drei Ärzte nicht, was ihm fehlte. Man entschloß sich zu einem chirurgischen Eingriff. Schmiedl wurde operiert, und die Operation wurde gerade noch zur rechten Zeit vorgenommen. 24 Stunden später, und Schmiedl wäre Gesund geworden.

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