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B. Traven
Trozas

Diogenes
2000
268 Seiten
€ 8,90 [D]


Von Alfred Ohswald am 10.11.2002

  Trozas – das sind zum Transport und Verkauf fertig zurechtgehackte Mahagonibaumstämme. Ihr Preis in den Industriestaaten ist so hoch, weil das Fällen und der Transport der im tiefsten tropischen Regenwald wachsenden Bäume schier unmenschliche Anstrengungen verlangt.
  Am schlimmsten kommen dabei die indianischen Kontraktarbeiter weg. Meins müssen sie in den Holzfällercamps ihre Schulden oder die Schulden ihrer Väter oder Großväter abarbeiten. Und weil diese Arbeiter dringend gebraucht werden, lauern unzählige dieser Schuldenfallen im indianischen Alltag. Wenn sie einmal im Holzfällercamp arbeiten, sorgt ein ausgeklügeltes System dafür, dass ihre Schulden meist weiter wachsen, anstatt sich zu verringern.
  Natürlich hängt die Härte der Arbeit und die Brutalität der Aufseher oft vom Besitzer der Holzschlagkonzession ab. In „Trozas“ übernehmen drei spanische Brüder, die bereits einen gefürchteten Ruf haben, diese Konzession von einer amerikanischen Company. Sofort beginnen sie mit dem Hinaufsetzen der täglich zu schlägernden Menge und mit drastischeren Bestrafungsmethoden.
 
  Das Buch dreht sich um das gleiche Thema wie sein „Die Rebellion der Gehängten“. nur passiert hier noch keine Rebellion. Die Schilderung der Zustände und Funktionsweise eines solchen Schlägerungscamps nimmt fast mehr Raum ein, als die fast nicht vorhandene Handlung und die Erlebnisse der Charaktere.
  Es gibt keine Hauptfigur, deren Schicksal der Roman beschreibt. Verschiedene Figuren werden beschrieben und erst im letzten Teil wird das Leben eines Ochsengespannführers und seines jungen Helfers erzählt.
  Traven beschreibt die Dinge aus der Sicht der Ausgebeuteten ohne Sentimentalitäten oder Illusionen. Seine Sprache ist die deftige, ordinäre Sprache dieser untersten Sozialschicht. Auch die Vorgesetzten haben sich hier angepasst. Der Dschungel bietet nicht viel Platz für Menschlichkeit.
  Ein Zitat über die indianischen Kontraktarbeiter ist symptomatisch für Travens Einstellung:
  „Er ist der Proletarier, der in aller Propaganda gemeint ist; er ist der Proletarier, um dessen Los in allen proletarischen Befreiungskämpfen gestritten und geblutet wird; und er ist der Proletarier, der in keiner Revolution je befreit wird.“

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