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Jürgen Lagger
Kreuzblütler

Aarachne
2002
238 Seiten
€ 15,- [D]


Von Alfred Ohswald am 27.05.2002

  Ein junger Pater, der sich bei der kirchlichen Obrigkeit nicht beliebt gemacht hat, wird als Pfarrer in das weit abgelegene Dorf Allerseelen geschickt. Schon der wortkarge Mann, der ihn vom Bahnhof abholt, um ihn in seine neue Gemeinde zu fahren, benimmt sich etwas seltsam. Dort quartiert er sich im bescheidenen Pfarrhaus neben der Kirche und dem überraschend großen Friedhof ein. Bevor er schlafen geht, bemerkt er ein auffälliges Schimmern auf dem Friedhof, was sich am nächsten Morgen als zahllose „Hirtentäschel“, keinen, zur Familie der „Kreuzblütler“ gehörende Blumen, herausstellt.
  Aber zuerst fällt gleich nach dem Aufstehen am Morgen eine Frauengestalt auf dem Friedhof auf. Als er hinausläuft, um sie näher in Augenschein zu nehmen, ist sie verschwunden. Bald darauf schaut er sich die Kirche an und auch hier taucht ein Fremder völlig überraschend auf. Er gibt ihm einen wohlschmeckenden Wein zu trinken, worauf der Pater in eine lange Ohmacht mit seltsamen Träumen fällt.
  Die Dorfbewohner verhalten sich weiter sehr zurückhaltend. Die öde Landschaft und die Abgelegenheit des Dorfs hat einen ebenso kargen Menschenschlag hervorgebracht. Ungewöhnlich viele Begräbnisse noch sehr junger Menschen sind, neben den wenig erbaulichen Messen, die Hauptaufgabe des jungen Paters.
 
  Jürgen Laggers Held in seinem Horrorroman wird in eine für ihn fremdartige Welt gestoßen, die fast unwirklich erscheint und zu der er nie auch nur den geringsten Zugang findet. Diese Atmosphäre versteht Lagger ausgezeichnet zu beschreiben. Sein Held erinnert in seiner Ausgeschlossenheit von seiner menschlichen Umwelt an manche Figuren von H. P. Lovecraft. Später ändert Lagger in jedem Teil des Romans seinen Erzählstil. Gegen das Ende sogar radikal in eine fast avantgardistische Richtung. Das macht den Roman literarisch sicher interessanter, schreckt aber den durchschnittlichen Leser von Horrorromanen sicher ab. Bis dahin hat der Roman das Zeug zu einem ausgezeichneten Vertreter dieses Genres, Lagger beabsichtigte aber offensichtlich aber etwas Anderes.
  Man kann den Roman durchaus auch als Parabel auf das Leben eines (z.B. homosexuellen?) Ausgestoßenen in einer in sich geschlossenen Gesellschaft, wie sie abgelegene Gegenden in ländlichen Gebieten hervorbringen, lesen. Aber das ist vielleicht etwas zu fantasievoll hineininterpretiert.
  Als Horrorroman ist das Buch allerdings, trotz des radikalen Stilbruchs am Ende, ein Geheimtipp. Wäre dieses „Manko“ nicht, könnte man ihn ohne durchaus in eine Reihe mit den internationalen Bestsellerautoren aus diesem Genre einordnen.
  Im letzten Teil ist der Roman mit ein paar fotomechanisch und digital verfremdeten Fotos von Roland Herbst illustriert.

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