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Erminia Dell’Oro
Teufelsschlund
(La gola del diavolo)

Haymon
2002
Übersetzt von Miriam Houtermans und Andreas F. Müller
157 Seiten


Von Alfred Ohswald am 18.03.2002

  In den 50er-Jahren wächst Lu in Eritrea als Kind italienischer Kolonisten auf. Eritrea steht unter dem Protektorat Englands und nur wenige Italiener sind hier geblieben. Es sind turbulente Zeiten und ein unerbittliches Land, wo der Tod und Gewalttätigkeiten immer allgegenwärtig sind.
  Lu’s Schwester Isabelle stirbt überraschend und bleibt in Lu’s Gedächtnis als rätselhaft Verschwundene haften. Lu treibt sich gerne mit ihren Freunden, darunter ein behinderter einheimischer Junge, zum Leidwesen ihrer Eltern auf den Straßen herum. Oft haben sie von der geheimnisvollen Teufelsschlucht gehört, die auf die Kinder dadurch natürlich eine besondere Anziehungskraft bekommt. Dort sollen „verlorene“ Menschen leben, was in Lu’s Kopf diese Teufelsschlucht noch interessanter macht. Eines Tages beschließen sie, die Teufelsschlucht zu besuchen ...
 
  Eine melancholische Erzählung mit autobiografischen Bezügen über eine Kindheit in einer nicht alltäglichen Umgebung. Und doch sind die Kinder hier nicht anders, als sie auch sonst überall sind. Voller Neugier und Abenteuerlust immer im Konflikt mit den Wünschen und Vorstellungen der Erwachsenen. Aber in einer gefährlichen Umwelt ist eine solche unschuldige Neugier nicht ungefährlich. Und für die unterprivilegierten Einheimischen lauert der Tod hinter jeder Ecke.
  Dell’Oro erzählt das alles sehr einfühlsam und glaubhaft aus der Sicht eines Kindes, das nicht zu Unterdrückten gehört aber natürlich alles registriert, was in ihrer Umgebung vor sich geht. Sie schreibt über unbeschwerte Stunden in den immer Interessantes bietenden Strassen der damals noch unscheinbaren Hauptstadt Eritreas, aber auch die nicht seltenen tragischen Schicksalsschläge. Ihre Hauptfigur ist ein zur Melancholie neigendes Mädchen, mehr grüblerisch als unbeschwert abenteuerlustig. Der besondere Reiz der Erzählung entsteht durch das Spannungsfeld zwischen diesem Mädchen und dem Land, wo sie irgendwie immer ein Fremdkörper ist. Es ist, selbst in dramatischen Momenten, eine Erzählung der stillen Töne.

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