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Interview mit den Autoren von "Der Crash ist die Lösung"

 

  Matthias Weik und Marc Friedrich sind Ökonomen, Querdenker, Honorarberater und Bestsellerautoren. Die beiden haben Internationale Betriebwirtschaft studiert und zusammen das Buch „Der grösste Raubzug der Geschichte: Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“ geschrieben, das im Mai 2012 erschienen ist. Das Buch ist seit über 22 Monaten in allen wichtigen Bestsellerlisten vertreten und erschien am 15. April als aktualisiertes und überarbeitetes Taschenbuch. Es war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch im deutschsprachigen Raum 2012 & 2013.
  Am 16. Mai erschien ihr zweites Buch: „Der Crash ist die Lösung - Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten

 

  Sie stellen einen Satz von Ayn Rand an den Anfang ihres Buches und zitieren sie auch später. Wie stehen Sie zu ihrem extrem neoliberalen Gedankengut?

  Uns ging es hier um die Aussage des Zitats. Es trifft die aktuelle Situation perfekt auf den Punkt. Ansonsten sind wir keine Anhänger bestimmer Richtungen, Schulen oder der Politik verpflichtet, lediglich der Politik der Wahrheit und Fakten fühlen wir uns verpflichtet. Wir sind eine brisante Mischung: Wir sind Schwaben und Ökonomen. Für uns zählen nur die knallharten Fakten! Aus diesem Grund sind all unsere Bücher rein faktenbasiert und mit zahlreichen Quellen hinterlegt.

  Kommt es nicht immer wieder zu Missverständnissen, weil oft „Wirtschaft“ gesagt aber nur die Arbeitgeber und nicht die Gesamtbevölkerung gemeint wird?

  Ja, da haben Sie leider recht.
  Wir zeigen in unserem Buch, daß durch die Einführung des Euros lediglich die Arbeitgeber und Unternehmen profitiert haben und zwar auf Kosten der Arbeitnehmer. Obwohl wir in Deutschland und Österreich statistisch gesehen immer reicher werden, wird die Schere zwischen Arm und Reich immer größer. Noch nie mußten in Österreich und Deutschland mehr Menschen für Essen bei den Tafeln anstehen als aktuell. Ein Armutszeugnis!


  Sind nicht die Wirtschaftswissenschaften und –Journalisten oft trotz allen statistischen Fakten ebenso ideologisch „Blind“, dass man bei nicht wenigen meist im Voraus sagen kann, welchen Standpunkt sie zu einem bestimmten Thema einnehmen werden?

  Dies könnte durchaus der Fall sein. Offensichtlich ist der eine oder andere anscheinend dogmatisch, andere scheinbar vom gängigen System inhaliert, daß sie entweder keine andere Meinung zulassen und die Faktenlage teilweise ignorieren oder sie schlicht weg nicht wahrnehmen.


  Irgendwie scheint es, als ob die Krisenherde in der EU tatsächlich durch die verordnete Rosskur wieder Licht am Ende des Tunnels sehen würden. Abgesehen von den oft recht fatalen Nebenwirkungen auf weite Teile der Bevölkerung, besteht da nicht Hoffnung?

  Ganz klar: Nein! Die eingeschlagene Politik der Austerität mag oberflächlich, temporär und wohlwollend ausgelegt vielleicht „Erfolge“ suggerieren, dies ist aber nur von kurzer Dauer und auf Treibsand gebaut. Wir zeigen in unserem Buch ganz klar auf, daß all die Jubelmeldungen aus Griechenland, Portugal etc. leider nichts anderes als kosmetische Schönfärberei und frisierte Statstiken sind. Die volkswirtschaftlichen Eckdaten sehen verheerend aus. Ist es nicht alarmierend, daß Spanien sich so günstig wie noch nie in seiner Geschichte am Geldmarkt verschulden kann, also die Zinsen extrem günstig sind obwohl die Staatsschulden und die Arbeitslosenzahlen sich auf einem absoluten Rekordhoch befinden? Dasselbe gilt für Griechenland, Portugal, Italien....
  All diesen Ländern ging es selbst unter der Drachme, Lira und Peseta wesentlich besser als momentan mit dem Euro.
  Diese Länder werden im Zinkorsett der EZB niemals gesunden können. Es ist lediglich ein teuer erkaufter Zeitgewinn für den im Endefeffkt wir alle bezahlen werden.

  Steht nicht Deutschland wegen seiner relativ starken, produzierenden Wirtschaft auch in Zukunft bei den zu erwartenden Finanzkrisen vergleichsweise besser da, als große Teile der Konkurrenz?

  Dies mag durchaus sein. Aber Deutschland ist aber auf der anderen Seite auch anfälliger, da wir als Exportweltmeister noch abhängiger von der Weltkonjunktur sind. Momentan mag es noch ein Segen sein, den Exportweltmeistertitel zu tragen aber schon morgen kann es sich in einen Fluch verwandeln.


  Wenn Sie hohe Steuern, wie etwa in Frankreich als schädlich für die Wirtschaft kritisieren, wie wollen Sie der zunehmenden Verteilungsungerechtigkeit bekämpfen?

  Steuern sind per se nicht schlecht. Die Frage ist nur wie hoch und wer bezahlt. Momentan gibt es für gewiefte Unternehmen und Menschen unendlich viele Möglichkeiten keine Steuern abzuführen. Dies darf nicht sein. Denn dadurch wird die Steuerlast nur auf die breite Masse verteilt. Zudem sollte ein Unternehmen in dem Land Steuern bezahlen in dem es das Geld verdient. Fakt ist: Wir brauchen ein effektives und enorm vereinfachtes Steuersystem. Zudem sollte Steuergeldverschwendung genauso bestraft werden wie Steuerhinterziehung. In Deutschland würden wir zig Milliarden einsparen.
  Ehrliche Arbeit sollte wieder gerecht entlohnt werden. Das Grundübel, warum es immer mehr Megareiche gibt und immer mehr Arme ist unser falsch gestaltetes Geldsystem.

  Wie stehen sie zu Forderungen von etwa der AfD zum Austritt aus Deutschlands dem Euro oder zum unter anderen von Hans-Olaf Henkel oder Dirk Meyer propagierten „Nord-Euro“?

  Wie schon erwähnt, sind wir in keiner Partei aktiv und fühlen uns von keiner vertreten. Wenn Deutschland aus dem Euro austreten würde, wäre der Euro sofort am Ende. Wir sind überzeugte Europäer und Demokraten und finden es trotzdem richtig den Euro ad acta zu legen.
  Unsere Recherche für das neue Buch hat deutlich gezeigt, daß es den Ländern mit ihren eigenen Währungen besser erging. Damals konnten schwache Länder ihre Währung abwerten um wieder wettbewerbsfähig zu werden. Dies ist mit der Gemeinschaftswährung nicht mehr möglich und dies führt zu fatalen Auswirkungen und der Zerstörung der Wirtschaft sowie den katastrophalen Arbeitslosenzahlen in einzelnen Ländern. Selbst Deutschland geht es de facto aktuell schlechter. Dazu haben wir im neuen Buch einen sehr aussagekräftigen Chart der dies beweist.

  Vom Nord Euro halten wir als Ökonomen nichts. Der Nord Euro würde uns lediglich einen weiteren Zeitgewinn bescheren aber die fundamenatlen Probleme nicht lösen.
 Solange ein Geldsystem auf ungedecktem Geld basiert ist es langfristig ausnahmslos zum Scheitern verurteilt. Denn jedes ungedeckte Papiergeldsystem hat eine mathematisch begrenzte Lebensdauer


  Sie kritisieren, dass die Anteilseigner bei den meisten Bankenrettungen recht glimpflich davon gekommen sind aber auch die Enteigung der Bankanleihenbesitzer in den Niederlanden. Welche Alternative hätten sie favorisiert? Hätte nicht eine Pleite zahlreicher Banken tatsächlich die Befürchtung der Regierenden eintreten lassen können und die ganze Wirtschaft noch viel stärker in den Abgrund ziehen können?

  Sicherlich wäre der Erstschock hart gewesen und wir hätten einige schwere Jahre gehabt. Aber dann wäre der Crash die Lösung gewesen. Denn dann hätte es eine notwendige Bereinigung der schwachen Banken, der Mißstände und der Gier gegeben. Abgeben hätten wir damals alle müßen so wie beim kommenden Crash auch – nur wird es jetzt wesentlich mehr sein was ein jeder abgeben wird.


  Ihnen ist schon bewusste, dass das in ihrem Buch vorgeschlagene „Vollgeld“ nur global und darum nur nach einer ebenso globalen Katastrophe eingeführt werden könnte? Eine Szenerie, bei der das Überleben der menschlichen Zivilisation in Frage stünde!

  Fakt ist, wir brauchen ein neues Geldsystem das zur Abwechslung mal allen Menschen dient und nicht nur 5%. Wenn die Protagonisten so weiter machen, werden sie die globale Katastrophe herbeiführen. Das worst case szenario wäre wenn es in einem Krieg, wie so oft, münden würde. Dies gilt es zu verhindern. Dies ist auch eine Intention unserer Bücher unsere Mitmenschen aufzuklären und zu mündigen Bürgern und Investoren zu machen. Denn je mehr Menschen wissen was abläuft und wie unser System funktioniert um so besser kann sich ein jeder vorbereiten und um so glimpfliche läuft es für uns als Gesellschaft ab.

  Herzlichen Dank und viel Erfolg mit allen zukünftigen Projekten!

 

Von Alfred Ohswald am 10. 6. 2014