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Interview mit Stefan Slupetzky


Stefan Slupetzky

  Stefan Slupetzky wurde 1962 in Wien geboren, studierte an der Wiener Kunstakademie und arbeitete als Musiker und Zeichenlehrer.
  Seine Karriere als Autor begann mit zahlreichen Kinder- und Jugendbüchern, die er auch selbst illustrierte. Mittlerweile schreibt er aber meist für ein erwachsenes Publikum sowohl Bühnenstücke als auch Prosa. Am bekanntesten wurde er mit seinem Krimi um den Wiener Privatdetektiv Lemming, dem bald ein zweiter Teil folgen wird.

  Herr Slupetzky, war die Ursache des Starts ihrer Karriere als Kinderbuchautor Ihre grafische Ausbildung?

  Im Prinzip schon. Ich wollte anfänglich Cartoonist, bzw. Karikaturist werden, aber es ist mehr als schwierig, auf diesem Gebiet Fuß zu fassen - die wenigen Plätze an den Oasen der österreichischen Zeitungswüste waren und sind natürlich besetzt, und unveröffentlichte Arbeiten verfallen schon nach wenigen Tagen. Buchillustrationen haben im Vergleich zu politischen Karikaturen so gut wie kein Ablaufdatum, also beschloss ich, Kinderbücher zu illustrieren.
  In Ermangelung eines Texters musste ich die zu bebildernden Geschichten selbst schreiben - und machte die Entdeckung, dass mich das Schreiben in vielerlei Hinsicht mehr befriedigt als das Zeichnen.

  Wie kam es dann zur Entscheidung für das Genre Krimi?

  Ich habe es für die beste Möglichkeit gehalten, um in die so genannte "Erwachsenenliteratur" einzusteigen. Das Spielfeld ist abgesteckt, die Regeln stehen in groben Zügen fest: Das heißt, dass das Spiel der Phantasie nicht vollkommen ausufern wird. Zugleich bedeutet das aber, dass man sich um nichts herumschwindeln kann: Es beginnt bei genauer Recherche und endet bei einem wohl durchdachten, schlüssigen Plot. Fouls werden gnadenlos bestraft. Wenn der Text am Ende auch stilistisch passt, leichtfüßig oder/und humorvoll ist, hat man die Feuertaufe bestanden.
  Ich glaube, wer einen guten Krimi schreiben kann, der wird auch andere literarische Genres bewältigen.

  Einiges an Ihrem Krimi "Der Fall des Lemming" lässt die Leser an Friedrich Torberg denken. Ist das reiner Zufall oder doch mit einer gewissen Absicht so?

  Dieser Vergleich ist mir völlig neu, aber er ehrt mich. Auch der oftmals erwähnte Verdacht, ich würde versuchen, in die Fußstapfen von Wolf Haas zu treten, ist schlichtweg falsch. Ich schätze Haas sehr, weil er mit seinen Büchern Pionierarbeit geleistet hat, sowohl in sprachlicher Hinsicht, als auch, was die grenzübergreifende Popularität zeitgenössischer österreichischer (Kriminal)Literatur anbelangt. Aber ich habe das erste Buch von Wolf Haas erst gelesen, als "Der Fall des Lemming" bereits geschrieben war.

  Humor spielt sowohl bei Ihrem Roman als auch bei Ihren Kurzgeschichten eine wichtige Rolle. Ist das mehr ein Wesenzug oder beeinflussten Sie hier bestimmte Vorbilder?

  Um ehrlich zu sein: Die Ironie, die ich meiner Hauptfigur zuweilen angedeihen lasse, ist auch eine Art Selbstironie. Ich kann mich entsetzlich über verschiedene Dinge aufregen, vor allem über die rücksichtslose, alles verheerende Unersättlichkeit von Politik und Wirtschaft. Wenn ich da nicht manchmal Abstand zu mir nehmen würde (auch in Form des "Lemming"), ich müsste nachhaltig verzweifeln.
  Mir persönlich ist es wichtig, dass sich meine Geschichten nicht nur auf den alten Kampf zwischen Gut und Böse, auf einen handwerklich geschickt gebauten Spannungsbogen beschränken. Ich denke, auch ein so genannter Krimi kann und soll (philosophische, politische, ...) Fragen aufwerfen und Aussagen treffen, die unser aller Leben berühren. Friedrich Dürenmatt hat das in seinen wunderbaren Kriminalromanen "Der Richter und sein Henker" und "Das Versprechen" vorexerziert, in denen er den Begriff des Gesetzes völlig von jenem des Rechts trennt. Das Verbrechen führt uns an den dunklen Rand unserer Existenz, und ein Schriftsteller, der sich das Verbrechen zum Thema nimmt, sollte sich nicht davor scheuen, auch den Abgrund dahinter zu beleuchten.

  Das Polizisten in wiener Krimis nicht gut wegkommen, hat ja schon Tradition, aber auch Ihre Darstellung der Lehrer in "Der Fall des Lemming" ist nicht unbedingt als schmeichelhaft zu bezeichnen. Spielen da persönliche Erfahrungen mit hinein?

  Kurz gesagt: Ja.

  Besitzen Sie einen Hund, gar einen Leonberger?

  Nein, obwohl meine Freundin und ich immer wieder damit kokettieren, uns einen Hund anzuschaffen. Selbstverständlich nicht zum Drogenschmuggeln ...

  Ihr nächster Lemming-Krimi ist ja bereits angekündigt, werden Sie dieser Figur auch in Zukunft treu bleiben?

  Der zweite Band "Lemmings Himmelfahrt" wird im Herbst fertig sein: ein Jahr Akkordarbeit, jeden Tag, auch an Sonntagen und Wochenenden. Ich denke, ich werde dann zunächst versuchen, meinen Kopf von all den Abgründigkeiten frei zu bekommen, mit denen sich der Text beschäftigt. Aber ich kann mir durchaus vorstellen, dem Weg des "Lemming" weiter zu folgen, zumindest noch in einem dritten Buch (das Wort "Trilogie" klingt unheimlich gut, finde ich).

  Gibt es literarische Pläne abseits von Lemming?

  Ja, die gibt es. Neben einigen kürzeren Texten für diverse Anthologien werde ich mich ab Herbst einer weiteren Kurzgeschichtensammlung für den Picus Verlag widmen. Außerdem ist nach längerer Zeit wieder ein Kinderbuch in Planung, das - zumindest in optischer Hinsicht - eine Novität werden soll. Aber mehr möchte ich momentan noch nicht verraten.

  Herzlichen Dank und viel Erfolg bei zukünftigen Projekten!

Von Alfred Ohswald am 11. 8. 2004

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