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Interview mit Peter Horn

Peter Horn

  Peter Horn wurde als Peter Schnaubelt 1964 in Krems/Donau in Niederösterreich geboren und entschied sich nach der Matura 8dt. Abitur) für das Lehramtstudium von Anglistik und Geschichte. Heute arbeitet er als Lehrer im niederösterreichischen Waldviertel, ist verheiratet und hat zwei Söhne.
  Mit 16 begann er für die "Niederösterreichischen Nachrichten" und nutzte seine Leidenschaft für Filme für die Rubrik "Film aktuell" zu arbeiten. Später folgten auch Essays zu Literatur und Film für "Die Presse". Während des Studiums begann er mit dem Schreiben literarischer Texte, die in diversen österreichischen Literaturzeitschriften publiziert wurden. Seine Erzählung "Southernmost" wurde als seine erste Veröffentlichung in Buchform in der Anthologie "Keine Aussicht auf Landschaft" aufgenommen. 1991 erhielt er den Anerkennungspreis für Literatur des Landes Niederösterreich und für das im Jahr danach erschienene Buch "Licht zwischen Schatten" den Walther-von-der-Vogleweide-Preis des Kulturforums Weiten/Melk (NÖ).
  Das Nachwuchsstipendium für Kinder- und Jugendliteratur motivierte ihn, mehr für dieses Publikum zu schreiben. Seine 12teiligige Gruselabenteuerreihe "Florian und die Geisterwelt" wurde zwischen 1995 und 1998 von Bastei Verlag veröffentlicht. Sein erstes Bilderbuch, zusammen mit Christina Kadmon, "Weißt du, was ich werden will?" wurde bereits in zwölf Sprachen übersetzt. Es folgten weitere Bilderbücher zusammen mit verschiedenen Künstlern. Das aktuellste Buch für Jugendliche ist der Science-Fiction-Roman "Die Stimmen der Sterne".
  Für das erwachsene Publikum schrieb er, außer "Licht zwischen Schatten", noch so unterschiedliche Bücher, wie das melancholische "Die Farbe des Sommers" oder die düstere Erzählsammlung "Die Regeln des Verhaltens".

  Herr Horn bzw. Schnaubelt, Sie sind ja mit Ihren Kinder- und Jugendbüchern erfolgreicher, was ist die Motivation, weiter auch Prosa für ein erwachsenes Publikum zu schreiben?

  Ich suche mir die Geschichten nicht aus, es ist eher umgekehrt: Manche Geschichten suchen sich mich aus und ich "muss" sie dann einfach niederschreiben. Auch über die Gestaltungsweise, mit der ich einen Stoff behandeln möchte, mache ich mir eigentlich kaum Gedanken.
  Eine Geschichte ist in einer bestimmten Art und Weise der Gestaltung in meinem Kopf, und so schreibe ich sie dann auch. Das mag dann für kleinere oder größere Kinder geeignet sein (wie in meinen Bilderbüchern "Weißt du, was ich werden will?" und "Wozu ist ein Papa da?", im Erstlesebuch "Die Seilbahn zum Mond" oder den Kinderbüchern "Benedikt und die Schmetterlingsmenschen", "Die Kinder aus der Gurkengasse" und "Neues aus der Gurkengasse"), dann wieder für Jugendliche (wie in "Die Zeitzwillinge", "Gefährten des Windes" oder dem Science-fiction-Roman "Die Stimmen der Sterne"), manchmal auch eher für Erwachsene.
  Wobei ich gerade "Die Farbe des Sommers" als "Brückenliteratur" bezeichnen möchte. Ich habe soeben ein Manuskript mit dem Titel "Die zweite Welt" fertig gestellt, das auch in diesen Bereich fällt, denke ich. Hauptfiguren sind ein 35-jähriger Mann und drei Jugendliche.

  War Ihr Pseudonym tatsächlich hilfreich bei der Verlagssuche?

  Als 1995 mein erster "Florian und die Geisterwelt"-Band herauskam, schlug der Bastei-Verlag ein Pseudonym vor, weil der Name Schnaubelt angeblich so schwierig zu merken wäre. Da ich in Horn im Waldviertel lebe, habe ich mich für diesen Künstlernamen entschieden. Besonders als meine Bilderbücher in so vielen verschiedenen Sprachen erschienen, hat es mir ein bisschen Leid getan, nicht meinen richtigen Namen auf dem Cover zu sehen.

  In Ihren Büchern kommt meist Ihre intime Kenntnis des ländlichen oder kleinstädtischen Niederösterreich deutlich zur Geltung. Das ist bei sogenannten "Studierten" nicht unbedingt alltäglich. Spielt da Autobiographisches oder Menschenbeobachtung die wichtigere Rolle?

  Das sind einfach die Orte und kleinen Städte, in denen ich aufgewachsen bin bzw. heute noch lebe und arbeite. Mit Menschen, wie sie in meinen Büchern vorkommen (in positiver und negativer Hinsicht), habe ich täglich Kontakt. Ich wurde in Krems/Donau geboren, das ist die Stadt, die in "Die Farbe des Sommers" genauso beschrieben wird, wie ich sie in den 70-er-Jahren erlebt habe.

  In Ihren Texten sind oft Jugendliche in der Pubertät Hauptfiguren. Sind Ihre Schüler in dieser Altersgruppe?

  Ich unterrichte 14 - bis 19-jährige, durch den intensiven Kontakt zu Jugendlichen ist mir ihr Lebensgefühl, sind mir ihre sozialen Codes bekannt.
  Den Kontakt zu jüngeren Kindern habe ich durch meine beiden Söhne (5 und 11 Jahre alt) und ihre Freunde. Oft ist unser Haus voller Kinder.

  In "Die Regeln des Verhaltens" sind, anders als z.B. in "Die Farbe des Sommers", meist Außenseiter und Ihre dramatischen Schicksale das Hauptthema. Standen hier tatsächliche Tragödien Pate.

  Diese Erzählungen, so unglaublich und extrem die Handlungsverläufe dem Leser auch zuweilen vorkommen könnten, basieren auf tatsächlichen Ereignissen und/oder Charakteren. Oft genügen ein Blick oder ein Satz, die ich einfange, und daraus entwickeln sich dann weitere Geschichten. Und als Lehrer bin ich natürlich ständig mit den unterschiedlichsten Schicksalen konfrontiert, was dann wiederum meine Fantasie anspornt.

  Sie betonen auf Ihrer Webseite Ihre große Leidenschaft für historische Romane. Haben Sie schon einmal mit dem Gedanken gespielt, einen solchen Roman mit Ihrer Gegend als Hintergrund zu schreiben? Oder stellt der beträchtliche Rechercheaufwand doch eine Respekt einflößende Mauer dar?

  Es sind historische Krimis, die mich faszinieren. "Tod auf dem Nil" mit Peter Ustinov als Hercule Poirot ist zum Beispiel einer meiner Lieblingsfilme, und ich freue mich immer, wenn ein neuer Band mit den Abenteuern der Archäologin und Hobbydetektivin Amelia Peabody, geschrieben von Elizabeth Peters, herauskommt.
  Gerade vor diesem Genre habe ich als Autor aber den höchsten Respekt. Ich bin keiner, der gern recherchiert, und bei solchen Büchern muss wirklich alles bis ins letzte Detail stimmen, damit sie glaubhaft sind. Aber vielleicht kann ich sie gerade deshalb, weil ich keine Ambitionen habe, selbst eines zu schreiben, so entspannt genießen.

  Herzlichen Dank für das Interview Herr Horn und viel Erfolg bei Ihren zukünftigen Projekten.

Von Alfred Ohswald am 7. 6. 2003

 

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