Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter

Interview mit Janko Kozmus


Janko Kozmus

  Janko Kozmus, 1951 im heutigen Slowenien geboren, kam 1958 in die BRD. Nach zahlreichen anderen Wohnorten landete er schließlich 1971 in West-Berlin und begann im zweiten Bildungsweg mit einem BWL-Studium. Nach dem Grundstudium wechselte er zu Allg. und Vergleichende Literaturwissenschaften, Politologie und Germanistik.
  Schon während des Studiums, das er nicht abschloß, bereiste er ab 1980 Jahre lang arabische und afrikanische Länder. Später arbeitete er in einem EDV-Betrieb und ist derzeit redaktioneller Mitarbeiter in einem elektronischen Verlag. Seine wenige Freizeit genießt er Fussball spielend o. Ä. mit seinen - 10 und 13 Jahre alten - Jungs. 2001 veröffentlichte er im Eigenverlag sein erstes Buch "Der Schatten des Marabouts".

  "Der Schatten des Marabouts ist deutlich von Ihren Reisen in arabische Länder geprägt. Was war der Grund, aus diesen Erfahrungen eine Science Fiction-Erzählung zu machen?

  Das Irreale, das Phantastische in dieser Weltgegend. Elemente, die sich förmlich aufdrängen. Für mich waren diese Dinge so fremd und exotisch, dass ich es kaum glauben kann, sie gesehen und erlebt zu haben. Übrigens nicht nur das arabische, sondern auch das afrikanische Element.
  Khartoum ist sozusagen die Schnittstelle, hier entwickelt das Arabische noch einen letzten Höhepunkt und geht dann ins Afrikanische über. Neben dem wirtschaftlichen stellt das Zusammentreffen dieser beiden so unterschiedlichen Kulturen im Übrigen einen der Hauptgründe der Probleme im Sudan dar.
  Warum Science Fiction? Diese Unterscheidung treffe ich selbst so nicht. Sie bedeutet innerhalb der deutschen Literatur eine Reduzierung, ganz im Gegensatz zum englischen Sprachbereich. Für mich ist "Der Schatten des Marabouts" ein Stück Literatur mit phantastischen und futuristischen Elementen.

  Der Roman ist ja mehr ein Blick auf diese fiktive Gesellschaft, als eine klassische Erzählung, in der eine Geschichte erzählt wird. Auch der nicht alltägliche Erzählstil verstärkt diese Absicht. Warum verzichteten Sie auf eine Geschichte als roten Faden und Hintergrund?

  Eine klassische Erzählung ist es tatsächlich nicht, ihre Form ist eher sparsam. Oft verbergen sich Inhalte zwischen den Zeilen. Dies entspringt der Überzeugung, die Sicht auf ein System und damit auch seine Beschreibung müsse seiner Vielschichtigkeit und komplexen Struktur entsprechen. Es genügt meiner Ansicht nach nicht, die in ihm verborgenen Möglichkeiten der Ausbeutung sowie deren Nutznießer zu beschreiben. Vielmehr möchte ich aufzeigen, inwieweit Strukturen sich verselbständigen, ehemals sinnvolle Rituale ihren Sinn und Zweck verlieren, dennoch weiterhin auf die Menschen wirken. Auch meine Figuren Layline, Jaqumed und Lowintó sind solchen Mechanismen unterworfen. Und in beonderem Maße Tifmoud. Seine eher harmlose Absicht hat tragische Folgen.

  Ist mit dem alten Film mit dem Angriff der Vögel, von dem einmal die Rede ist, Hitchcocks "Die Vögel gemeint?

  Ja! Für mich ein sehr starkes Bild, eines das für die Urängste des Menschen stehen kann. Ängste, die jederzeit missbraucht werden können ...

  Sie deuten viele Dinge oft nur an, ohne sie ausführlich zu erklären. Der Marabout und sein Begleiter z.B. oder das Ende des Romans lassen ja Fragen offen. Ist es nicht riskant, einen solchen Roman als Erstling zu veröffentlichen? Science Fiction wird ja von den Kritikern im Normalfall eher ignoriert und das mögliche Zielpublikum sieht sich mit dem nicht ganz leichten Stoff möglicherweise überfordert.

  Hier geht es m. E. wie zu Anfang um die grundsätzliche Frage: Was ist Sciene Fiction? Sind Romane wie "Der Report der Magd" von Margret Atwood oder Doris Lessings "Memoiren einer Überlebenden" Science Fiction? Man kann konstatieren, dass sie die herkömmliche Realitätsebene verlassen, mehr erst einmal nicht..
  Ich habe mich ja nicht hingesetzt und mir gesagt, so, jetzt schreibst du einen Science-Fiction-Roman. Allerdings habe ich im Versuch einer adäquaten Umsetzung erlebte Exotik in phantastische und futuristische Elemente einmünden lassen. Auf der Marabout-Webseite schreibe ich, dass "Der Schatten des Marabouts" trotz phantastischer und futuristischer Elemente nicht auf ein Genre wie etwa Fantasy oder Science Fiction zu reduzieren sei. Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Ich liebe anspruchsvolle phantastische und Science Fiction Literatur und in Zeiten, in denen in entsprechenden Rubriken u.a. Kafkas Roman "Das Schloß" oder seine Erzählungen "In der Strafkolonie" und "Das Urteil" auftauchen oder wie hier bei "buchkritik.at" Döblins Roman "Berge, Meere und Giganten", da kann ich mich glücklich schätzen, so eingereiht zu werden. Dennoch handelt es sich um eine Reduzierung!

  Wollten Sie den Roman als Book-on-Demand herausbringen oder war das mangels Verlag eine Notlösung?

  Das Problem der oben besprochenen Einordnung hat es mir schwer gemacht, Verlage zu finden, an die ich mich hätte wenden konnen. So habe ich nur zwei angeschrieben, die mich ablehnten. Damit fiel die Entscheidung für Bood-on-Demand.

  Steht schon eine weitere Veröffentlichung fest oder wollen Sie erst abwarten, wie "Der Schatten des Marabouts ankommt?

  Ich bin mitten in der Arbeit zu einem neuen Roman, der deutlich umfangreicher werden und ebenfalls phantastische und futuristische Elemente beinhalten wird. Den Arbeitstitel kann ich im Moment nicht verraten, weil der zu viel preisgibt. Soviel kann ich sagen: Das Ambiente wird ähnlich wie beim "Marabout" sein. Vielleicht schauen Sie demnächst mal auf die Marabout-Webseite, wo er mit Leseprobe vorgestellt werden wird.

Von Alfred Ohswald

 

Janko Kozmus
Der Schatten des Marabouts