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2. Interview mit Frank W. Haubold



  1955 in Frankenberg geboren, studierte Frank W. Haubold Informatik und Biophysik. Seit 1989 ist er als Autor besonders im phantastischen Genre und hier insbesondere in der Science-Fiction tätig. Neben zahllosen Beiträgen für Magazine und Anthologien und Herausgeber gewann er 2008 gleich zwei Mal den deutschen Science Fiction Preis mit dem Roman „Die Schatten des Mars“ und der Kurzgeschichte „Heimkehr“ sowie 2012 den Kurd Laßwitz Preis für die beste deutschsprachige SF-Erzählung. Aktuell ist der zweite Teil seiner "Götterdämmerung"-Trilogie erschienen.

  Wurden Sie auch vom Virus „Perry Rhodan“ mit der phantastischen Literatur infiziert, wie so viele andere deutschsprachige Autoren Ihrer Generation?

  Nein, das war schon deshalb nicht möglich, weil es in der ehemaligen DDR keine „Perry Rhodan“-Hefte zu kaufen gab. Meine ersten Begegnungen mit SF-Literatur fanden in der örtlichen Bibliothek statt, wo (anders als im Buchhandel) neben den Büchern von Stanislaw Lem und den Strugatzkis auch Werke von Autoren wie Ray Bradbury oder Robert Sheckley zu finden waren.

  Was denken Sie zum weitgehenden Aussterben aller anderen SF-Subgenres außer Space-Operas (diese allerdings oft in bemerkenswerter Qualität)?

  Ich muß zugeben, daß ich kaum auf solche Entwicklungen achte, da ich mich beim Bücherkauf eher an Autorennamen orientiere. Außerdem lese ich kaum SF-Neuerscheinungen, sondern arbeite erst einmal die „verlorenen“ 60er, 70er und 80er Jahre auf. Da gibt es für mich noch einiges zu entdecken. Ich mag Space Operas, so daß mich der mögliche Niedergang anderer Subgenres nicht so tangiert.

  Ist die große Zeit für SF-Kurzgeschichten weitgehend vorbei, wie es den Eindruck macht?

  Von der Qualität her würde ich das – zumindest für den deutschsprachigen Raum – nicht so sehen, allerdings mangelt es seit der Einstellung der Jeschke-Anthologien bei Heyne an professionellen Veröffentlichungsmöglichkeiten. Anthologien und Collections versprechen weniger Gewinn als Romane, so daß die Kurzgeschichte auch international an Bedeutung verliert.

  Besteht die Chance, dass es in nächster Zeit ein ähnlichen Glücksfall wie Wolfgang Jeschke bei Heyne bei irgend einem Großverlag geben wird, der das Genre Science-Fiction ähnlich voranbringt?

  Das glaube ich nicht. Die Entwicklung geht eher zum Buch als Profit-Center, das heißt jeder einzelne Titel soll und muß dem Verlag Gewinn bringen. Eine Quersubventionierung, wie sie früher bei Suhrkamp und Heyne gang und gäbe war, findet im controllerdominierten Verlagswesen der Gegenwart kaum noch statt. Das öffnet allerdings auch eine Nische für engagierte Kleinverlage, die inzwischen auch internationale Autoren veröffentlichen.

  Konnten Sie und andere deutschsprachige Autoren vom Erfolg von Andreas Eschbach oder Frank Schätzing im Science-Fiction-Genre profitieren?

  Nein, Andraes Eschbach und erst recht Frank Schätzig bedienen in erster Linie den Mainstream und werden von der breiten Leserschaft auch kaum als SF-Autoren wahrgenommen. Es gab und gibt keinerlei Anzeichen für einen SF-Literatur-Boom hierzulande.

  Was ist Ihre Meinung zu E-Books?

  Zuerst war ich ein entschiedener Gegner dieses Trends (und bis heute halte ich E-Books nicht für „richtige“ Bücher), habe aber inzwischen eingesehen, daß an dieser Entwicklung auch für Autoren kein Weg vorbeigeht. Deswegen gibt es inzwischen sämtliche meiner (neueren) Bücher parallel zur Druckausgabe auch als E-Book.

  Wie werden sich Mehrteiler Ihrer Meinung, die besonders in der Fantasy und Science-Fiction ja recht häufig sind, entwickeln? Gerade die zunehmende Komplexität ist bei Wartefristen von einem Jahr und länger (Extrembeispiel George R. R. Martin) ja auch eine Abschreckung für potentielle Leser. Der Seitenumfang spielt ja mit zunehmendem Marktanteil von E-Books kaum eine Rolle. Auf der anderen Seite verlieren Autoren und Verlage möglicherweise nicht unwesentlich Geld, wenn sie anstatt drei oder mehrerer Bücher nur mehr ein Buch verkaufen können. Dass Leser für solche Bücher den dreifachen Preis zu bezahlen bereit sind, ist ja auch recht fraglich?

  Hier muß man m. E. unterscheiden zwischen einer Aufteilung von Büchern aus Gründen der Gewinnmaximierung und Mehrteilern, die nie als einzelner Roman gedacht waren. Die Wartezeit wird der Leser vermutlich in Kauf nehmen, wenn er dafür in eine ihm bereits vertraute Welt einsteigen kann. Der Erfolg von Serien (auch im TV-Bereich) liegt hautsächlich in der Vertrautheit mit den handelnden Personen und dem Umfeld. Solange der Versuch nicht offensichtlich ist, den Leser „abzuzocken“, wird er m. E. auch für mehrere Bände bezahlen. Was meinen aktuellen „Götterdämmerung“-Zyklus anbetrifft, so wäre der als Einzelroman mit einem Umfang von etwa 800 A5-Seiten schon rein schreibtechnisch niemals umsetzbar gewesen.

  Herzlichen Dank für das Interview! Und weiterhin viel Erfolg!

Von Alfred Ohswald am 18. 11. 2013