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Interview mit Gerhard Haderer


Gerhard Haderer

  Gerhard Haderer, 1951 in Leoning, Ober-Österreich, geboren, begann nach einer bis dahin turbulenten Berufslaufbahn, 1985 seine Karriere als Karikaturist. Erste Veröffentlichungen waren in Watzmann", "ORF-Ventil" und "Oderösterreichischen Nachrichten" zu finden. Von den "Oderösterreichischen Nachrichten" trennte sich Haderer nach einer für Aufregung sorgenden Karikatur mit dem damaligen Landeshauptmann.
  Mittlerweile gehörte er mit Veröffentlichungen in "Profil", Trend", "Kurier" usw. schon zu den bekanntesten Karikaturisten Österreichs. Es folgte der Vorstoß nach Deutschland mit regelmäßige Veröffentlichungen für den "Stern".

  Zuerst eine Frage zu einer alten Geschichte: Wäre eine wirtschaftlich vermutlich für die "Oberösterreichischen Nachrichten" nicht unbedingt glorreiche Entscheidung, einen gerade aufgestiegenen Star am Karikaturisten-Himmel wegen politischen Druck ziehen zu lassen, in ähnlicher Form auch in Deutschland möglich? Oder ist das och eher typisch "Kakanien"?

  Ich glaube schon, dass dies eine typisch österreichische, oder besser oberösterreichische Veranstaltung war. Die größeren Printmedien in Deutschland, aber auch bei uns, treten ja doch wesentlich selbstbewusster auf was die direkte Einflussnahme der sogenannten Mächtigen betrifft. Aber ich bin sicher, dass die OÖN ihre damalige Entscheidung längst bereut haben. Wie man hört, zelebrieren die Verantwortlichen jeden Jahrestag meines Rauswurfes mit einem Kreuzweg zur Wallfahrtskirche auf dem Linzer Pöstlingberg, um Busse zu tun.

  Wird das Leben eines Karikaturisten leichter, sobald er es in bedeutendere, unabhängige Medien geschafft hat? Oder werden hier nur die Druckmittel der Mächtigen subtiler?

  Meine ersten Zeichnungen sind im "Profil" erschienen, und zwar sehr regelmäßig , jede Woche .Das war damals der mediale Olymp für mich, und "Profil" ist auch heute immer noch mein Herzblatt.
  Die Betroffenen haben auf meine Cartoons im wesentlichen immer gleich reagiert. Die Dummen versuchen gerichtlich zu klagen, die Klugen laden mich zum Essen ein.

  In Österreich hatte es ein Karikaturist in den 80ern an die Spitze geschafft, wenn er z.B. für "Profil" und "Trend" arbeitete. Die "Krone" ist ja dann fast schon eine Art Altersversorgung. Aber wie schafften sie es, in einem großen Magazin in Deutschland gedruckt zu werden?

  Es hat für mich immer schon eine Art von Luxus bedeutet, nur für Zeitungen zu zeichnen, die ich auch selber lese. So gesehen bin ich schon ein bissel stolz darauf, den Angeboten des Herrn Dichand und seiner Kronenzeitung widerstanden zu haben, immerhin hat er Höchstgagen geboten.
  Als dann das Angebot vom "Stern" in Deutschland kam, habe ich es angenommen, weil sich niemand in die Auswahl meiner Themen eingemischt hat, und weil mein zugegebenermaßen sehr österreichischer Blick auf unsere Nachbarn nicht nur akzeptiert, sondern auch geschätzt wird.
  Soeben ist ein dicker Sammelband erschienen mit dem Titel "Haderer-die ersten zehn Jahre im "Stern". Dieser Titel beinhaltet also auch die stille Drohung, dass den ersten zehn Jahren noch weitere folgen könnten.

  Der Anschlag auf das Word Trade Center hat die Problematik, wie öffentlich auf große Tragödien reagiert werden soll oder kann, wieder deutlich gemacht. Jeder war angesichts der ins Wohnzimmer gelieferten Bilder geschockt. Aber macht nicht die Medienpräsenz einer Katastrophe heute einen Großteil der Betroffenheit aus? Die ganze Welt trauerte um Lady Di und die Opfer des jetzigen Erbebens in Afghanistan sind schon jetzt fast nur mehr eine Nebenmeldung. Gerade als Karikaturist bewegen Sie sich hier sicher oft auf einem schmalen Grad. Wie gehen Sie mit diesem Konflikt um?

  Seit dem 11.September 2oo1 hat sich jeder vernünftige Mensch die Frage gestellt, wie man mit einem ungeheuerlichen Ereignis wie diesem persönlich umgehen kann. Als dann zwei, drei Wochen danach die ersten Bin- Laden-Witze aufgetaucht sind, habe ich das nicht als geschmacklos empfunden, sondern festgestellt, dass Humor eben auch eine wichtige Ventilfunktion haben kann.
  Über die weltweit ins Absurde übertriebene Medientrauer zum Tod der Prinzessin Diana habe ich Robert Menasse persönlich kennengelernt und wir haben dazu ein Buch gestaltet, "Die letzte Märchenprinzessin".

  Welche Wirkung hatte der öffentliche Angriff von Erzbischof Christoph Schönborn auf Ihr aktuelles Buch "Das Leben des Jesus"? Überwog Verärgerung oder schmunzelndes Kopfschütteln?

  Kopfschütteln ist wohl wirklich angesagt. Vor allem über den Bumerangeffekt, den seine Äußerungen nach sich gezogen haben und der ja für jeden auch nur halbwegs intelligenten Menschen vorhergesehen werden konnte. Im Augenblick sind die Kirchenmänner rund um Schönborn wie die aufgescheuchten Hendeln auf der Flucht vor den faulen Eiern, die sie auf mich geworfen haben.
  Aber im Ernst: Als Reaktion auf mein Buch habe ich eigentlich erwartet, dass die österreichischen Bischöfe meinen Namen loben und preisen würden für all das, was ich zum Thema Amtskirche nicht gezeichnet habe.

  Haben Sie eine Möglichkeit gegen verfälschende Medienberichterstattung vorzugehen? Ich denke da an deutsche TV-Beiträge, wo Ihnen Herabwürdigung Behinderter vorgeworfen wird, obwohl ich keinen Behinderten (von der Sehschwäche des ersten Apostels abgesehen) in Ihrem Buch entdecken konnte.

  Tatsächlich habe auch ich in all meinen Darstellungen nur einen Behinderten gefunden, nämlich den Brillenträger in einer der Anfangsszenen. Die unfassbare Aussage, ich würde Behinderte diffamieren, wie sie in der ARD- Sendung "Report" getroffen wurde, zeigt nur, wie maßlos und wütend die selbsternannten Retter des Abendlandes derzeit agieren.
  Ich hoffe halt, dass viele, die mein Buch kennen, die richtigen Schlüsse daraus ziehen.

  Zeitgleich mit den Angriffen auf Ihr Buch erscheint jetzt eine sehr zweifelhafte Klestil-Biografie. Da Klestil es sich bei manchen Leuten durch sein Verhalten bei der Regierungsbildung auch verscherzt hat, die teilweise mit den Gegnern Ihres Buches identisch sind, kommt schon fast der Eindruck eines provozierten "Kulturkampfes" auf. Oder halten Sie das eher für einen Zufall?

  Ich glaube nicht mehr an Zufälle, in diesem Zusammenhang schon gar nicht. Der Begriff "Kulturkampf" drängt sich wirklich auf, zumal sich vor wenigen Tagen sogar der österreichische Bundeskanzler zu Wort gemeldet und meine Arbeiten als "Schundzeichnungen" abqualifiziert hat.
  Sind wir schon bald wieder so weit, dass von höchst offizieller Stelle, immerhin ist unser Kanzler auch Kunstminister, zwischen "guter" und "schlechter" Kunst unterschieden werden darf ? Die Angriffe gegen den Bundespräsidenten und gegen mich mögen zufälligerweise zur gleichen Zeit stattfinden, es kann aber kein Zufall sein, dass die Personen, die sie vortragen, zum größten Teil identisch sind. Wenn das alles eine Kabarettvorstellung wäre, dann würde das Publikum spätestens jetzt gelangweilt den Saal verlassen.

  Vielen Dank und viel Erfolg bei zukünftigen Projekten!

Von Alfred Ohswald am 10. 4. 2002

 

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