Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter

Interview mit Hermann Bauer


  Der 1954 geborene Hermann Bauer ist Lehrer für Deutsch und Englisch in Wien. Er veröffentlichte bisher fünf Krimis rund um seinen Oberkellner Leopold im Gmeiner Verlag.

  Gibt es ein reales Vorbild für das Café Heller aus Ihren Romanen?

  Mittlerweile hat es sich ja schon herumgesprochen, dass es in Floridsdorf ein Café Fichtl gibt, in dem ich einen Gutteil meiner Schul- und Studienzeit verbracht habe, und das ich noch immer gerne besuche. Dort gab es auch einen sehr schlagfertigen Oberkellner mit einer ganz eigenen Lebensphilosophie. Wenn man irgendwo sooft gewesen ist und dort einiges erlebt hat, kann man es auch sehr gut fiktiv als Café Heller zum Ausgangspunkt einer Romanserie machen.

  Trägt der Lehrer Korber mit seiner fatalen Schwäche für Frauen etwa (selbstironisch eingefärbte) autobiographische Züge oder mussten dafür Kollegen als Anregung herhalten?

 Die Figuren eines Romans sind immer irgendwie eine Mischung aus mehreren Komponenten. Man ganz sie nie ganz in ein Verhältnis 1:1 mit einer realen Person stellen. Aber es stimmt, dass mit dem Lehrer Thomas Korber meine schwärmerische Phase als Student ein wenig satirisch nachgezeichnet wird.

  Beobachten Sie auch mit einer gewissen Wehmut das unvermeidliche Verschwinden österreichischer oder wienerischer Ausdrücke? Wenn etwa bei den Schimpfwörtern das alte „Hurn-“ durch das deutsche „Scheiße“ abgelöst wurde, um ein schon fast in Vergessenheit geratenes Beispiel zu erwähnen.

  Ja, obwohl in meinen Romanen solche Ausdrücke nicht unbedingt im Vordergrund stehen. Was ich etwa vermisse, also nicht mehr höre, ist das schöne Wort "leiwaund", das heute "cool" oder "geil" heißt. In Arbeitervierteln und –lokalen hört man schon noch Wienerisch der alten Schule, und junge Serben oder Kroaten helfen teilweise mit, dass der Wiener Dialekt erhalten bleibt. Grundsätzlich verschwinden aber wesentliche Teile dieser Sprache – so wie die Beisln, die Kaffeehäuser, die kleinen Geschäfte …

  Gab es einen konkreten Grund für Sie, sich das Genre Krimi zu wählen?

  Ich habe viele Krimis gelesen, vor allem klassische von Agatha Christie oder Dorothy Sayers, aber auch alle von meinem Vorbild Colin Dexter mit seinem Inspector Morse. So etwas Ähnliches zu schreiben – eben mit dem Kaffeehaus als Hintergrund – schien mir dann einen Versuch wert.

  Welche Bücher und Filme führen Sie sich sonst noch gerne zu Gemüte?

  Krimis, bei denen das Element des "Whodunnit" im Vordergrund steht, in letzter Zeit natürlich auch die zum Teil großartigen Kriminalromane meiner österreichischen Kollegen, aber auch Sachbücher aus allen Bereichen und gehobene Literatur (derzeit "Der Turm" von Uwe Tellkamp). Bei Filmen (hauptsächlich in Form von DVDs) ist es in etwa dasselbe, vielleicht noch mehr mit dem Schwerpunkt "gehobene Unterhaltung": die Poirot-Serie mit David Suchet, die Holmes-Serie mit Jeremy Brett, die Morse-Serie mit John Thaw genauso wie "Downton Abbey" oder Filme mit Cary Grant.

  Herzlichen Dank und viel Erfolg für Ihre weteren Projekte!

Von Alfred Ohswald am 21. 8. 2012

Hermann Bauers Webseite

Hermann Bauer
Fernwehträume
Wiener Krimi

Hermann Bauer
Karambolage
Wiener Krimi

Hermann Bauer
Nestroy-Jux
Wiener Krimi