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Interview mit Georg Biron


Georg Biron

  Georg Biron wurde am 18. Oktober 1958 in Wien geboren. 1975 wurden seine ersten Texte in "Neue Wege" veröffentlicht. Noch vor seinem Studium ab 1977 war er als Autor und Mitherausgeber beim alternativen Literaturverlag "Frischfleisch & Löwenmaul", Chefredakteur des Magazins "Zeit-Schrift", Mitarbeiter von "Konkret" und als Herausgeber mehrerer Bücher tätig. Während des Studiums veröffentlichte er weitere Bücher und Stücke und setzte auch danach seine Karriere als Autor erfolgreich fort.
  Bereits 1976 erhielt er den KÖLA-Theaterpreis für den Einakter "Phlegma", und es folgten noch zahlreiche weitere Auszeichnungen. Meist arbeitete er auch in den verschiedensten Positionen als Journalist bei verschiedenen Publikationen. Auch Sachbücher (z.B. Qualtinger-Biografie, Die letzte Beichte - Geschichte eines Verrats) Drehbücher für ORF, ARD, RTL usw. gehören zu seinem Tätigkeitsbereich.

  Sie begannen schon sehr früh mit dem Schreiben. Wie kam das?

  Mein Vater (Jahrgang 1917) und meine Mutter (Jahrgang 1935) waren Wiener Arbeiterkinder, die beide die Abendmatura gemacht haben und einen sehr grossen Respekt vor Büchern hatten. Bis zu meinem 12. Lebensjahr gab es keinen Fernsehapparat bei uns, der wurde erst nach dem Tod meiner Großmutter "geerbt". Ich war von Büchern umgeben, meine Eltern haben gerne gelesen - und ich hatte Zugang zu den unterschiedlichsten Büchern: von Karl May über Upton Sinclair und Joseph Roth bis zu Goethe und Heine. Und bald habe ich selbst begonnen, meine Phantasien aufzuschreiben.
  In der Volksschule mussten wir einmal einen Aufsatz schreiben: "Was ich gerne werden möchte". Da gab es "Lokomotivführer", "Tischler", "Feuerwehrmänner" und "Piloten". Ich wollte zur grossen Verwunderung meiner Lehrerin "Schriftsteller" werden.

  Ihre stärksten Texte sind Erzählungen, trotzdem gibt es nur den Sammelband "Männer Männer Männer" und das Buch "Im Park der Spione". Liegt es an der Schwierigkeit, Erzählungen bei Verlagen unterzubringen oder schreiben sie selten welche?

  Es gab früher bei den Tageszeitungen in den Wochenendbeilagen die Möglichkeit, Erzählungen zu veröffentlichen. Das hat mich motiviert, weil ich schon früh daran interessiert war, ein verhältnismässig grosses Publikum mit meinen Texten zu erreichen.
  Das Interesse der Verlage an Erzählungen und Kurzgeschichten hält sich heute aber in Grenzen, wenn man nicht gerade eine siebzehnjährige rothaarige Japanerin ist, die ganz allein mit ihrem Hund ... Will sagen: In Europa sind die Möglichkeiten für "Einheimische", Erzählungen zu veröffentlichen, viel geringer als beispielsweise in England oder in den USA, wo sich Magazine und Illustrierte den Luxus leisten, solche Texte zu kaufen und zu drucken, während bei uns irgendwelche Deals mit den grossen Verlagen laufen, und die Zeitschriften drucken dann ein Kapitel aus dem neuen Roman von Soundso ab.
  Aber in diesem Herbst erscheint die 2. Auflage meines Buches "Das mit den Männern und den Frau`n...", das sind Kurzgeschichten und Erzählungen - allerdings nur für Erwachsene, die nichts gegen Pornographisches haben.

  Ihren Roman "Höchste Zeit" haben Sie später ja Großteils "recycelt". Wie kam das zu Stande?

  Recycling würde ich das nicht nennen. Am Anfang war eine Geschichte, "Das Ewige Idol" (1982), die in der AZ gedruckt worden ist. Später habe ich die Story weitergedacht - und daraus wurde 1984 "Höchste Zeit".
  Als ich das Buch "Männer Männer Männer" 1986 bei der Edition S. der Österreichischen Staatsdruckerei zusammengestellt habe, wollten die unbedingt auch "Das Ewige Idol" haben. Abgesehen davon ist mir jetzt aber kein Recycling bewusst.

  In "Frauen bei Vollmond" machen sie zahlreiche Ausflüge zu verschiedenen Themen. Dabei geben sie aber oft den Kenntnisstand populärwissenschaftlicher Bücher wieder, ohne den oft anderen Standpunkt der Wissenschaft zu erwähnen (z.B. Päpstin Johanna). Ist das nicht bei einem Autor, der auch Sachbücher schreibt, etwas riskant?

  Wäre "Frauen bei Vollmond" ein Sachbuch, dann hätten Sie recht. Das wäre dann wahrscheinlich sehr einseitig, obwohl ich etliche Sachbücher kenne, in denen wissentlich auf alles verzichtet wird, was der Theorie zuwiderlaufen könnte. Wenn aber eine Pornodarstellerin den Abwasch macht und dabei die Story der Päpstin thematisiert wird, dann halte ich das eher für ein Augenwzinkern und nicht für ein wissenschaftliches Statement.
  "Frauen bei Vollmond" ist ja in erster Linie ein Roman, in dem ein Ich-Erzähler seine Geschichte nach dem Selbstmord aus dem Jenseits erzählt. Und da er in seinen carnischen Zeiten ein Reporter war, fliessen auch die Themen seiner Reportagen ein, die schliesslich zu seiner letzten grossen Reportage führen, die ihn zum Mörder macht, worauf er von seinem Chefredakteur den Auftrag bekommt, den Mord an der Pornodarstellerin Plurabelle (die er ja persönlich gekannt hat) zu recherchieren und den Mörder zu suchen. Der Mörder begibt sich also auf die Suche nach sich selbst, bis er verhaftet wird und sich in seiner Zelle erhängt.
  So eine Geschichte ist keine Dissertation, und daher glaube ich nicht, dass man dabei als Autor um "Ausgeglichenheit" oder um "Sachlichkeit" bemüht sein muss.

  Zum Schluss natürlich die Frage nach zukünftigen Projekten. Ist schon ein neues Buch von Ihnen in Vorbereitung und können Sie uns ein wenig darüber sagen?

  Ich arbeite gerade an einem Buch mit dem Arbeitstitel "Mutter, wie weit darf ich reisen?" Das ist ein psychologischer Thriller, der gleichzeitig auf drei Zeitebenen spielt, die miteinander verwoben sind. Es gibt die ersten 100 Seiten, aber noch keinen Verlag dafür. Halten Sie mit bitte die Daumen! Neuigkeiten kann man immer wieder auf meiner Homepage erfahren. Wenn's welche gibt...

  Herzlichen Dank für das Interview! Und natürlich viel Glück bei der Verlagssuche!

Von Alfred Ohswald am 22. 8. 2002

Manche Bücher Georg Birons sind nur mehr auf seiner Homepage erhältlich!

Georg Biron
Rot ist die Sünde

Georg Biron
Männer Männer Männer

Georg Biron
Im Park der Spione

Georg Biron
Die letzte Beichte

Georg Biron / Elisabeth Grebenicek (Hrsg.)
Hysterisch funktionieren

Georg Biron
Rebellen im Internet

Georg Biron
Frauen bei Vollmond

 

Georg Biron
Höchste Zeit