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Interview mit Till Frommann


  Till Frommann wurde 1978 in Wolfenbüttel geboren und wuchs in der etwas größeren Nachbarstadt Braunschweig auf. Dort studiert er zur Zeit Philosophie, Politik und Soziologie. Er veröffentlichte bisher die Kurzgeschichten "Big Brother - Die Selbsthilfegruppe", "Falsch verbunden", "Der Heldentod" und die Erzählung "Und die Moral des Spiels" frei zugänglich im Internet.
  Auf seiner Homepage schreibt er in der Kolumne "Ey Welt!" über diverse Merkwürdigkeiten des Alltags - beispielsweise über Sexsöckchen, eine Spinne, die seine Freundin aufgefressen hat oder darüber, wie schön es ist, an Büchern zu schnuppern. Dort ist auch sein Fortsetzungsroman "Die letzten Wochen des Himmels" während seiner Entstehung zu finden.

  Herr Frommann, wann und aus welcher Motivation begannen mit dem Schreiben?

  Motive hatte ich damals glaube ich keine. Ich schreibe, seitdem ich schreiben kann - in der zweiten oder dritten Klasse habe ich ein Bilderbuch geschrieben und die Bilder dazu gemalt.
  Es ging um einen Bauern, den Teufel und einen dermaßen lange andauernden Regen, der die gesamte Welt überflutete - deswegen auch der Titel "Der Bauer, der Teufel und das große Wasser". Die Bilder waren regelrechtes Gekrickel, besonders gut malen oder zeichnen kann ich bis heute nicht.

  Lassen Sie sich von bestimmten Autoren beeinflussen und anregen?

  Kann ich so nicht sagen. Ich habe zwar so einige Bücher gelesen, aber dass ich wirklich viele Romane lesen würde, kann ich von mir nicht behaupten.
  Eschbachs "Jesus Video" hat mir gefallen, im Moment lese ich "Lord Gamma" von Michael Marrak. Eine Zeit lang habe ich viele Kurzgeschichten gelesen, die im amerikanischen "Magazine of Fantasy and Science-fiction" erschienen sind und vom Heyne-Verlag übersetzt worden, auch von Stephen King, Douglas Adams und Terry Pratchett habe ich Bücher gelesen. Besonders schön finde ich Montaignes "Essais", in dem der Schriftsteller, der als der Erfinder der Essays gilt, über sich, seinen Alltag, verschiedene philosophische Probleme und seine Verdauung schreibt.
  Wahrscheinlich lasse ich mich viel mehr von Kinofilmen, Comics und Zeitungsartikeln beeinflussen, denn ich bin viel zu oft im Kino, sitze unglaublich oft vorm Fernseher, lese Comics und viel zu viel Zeitung.
  Comicautoren, die ich gut finde, sind Warren Ellis, Garth Ennis, Alan Moore und James Kochalka, der auf seiner Website tagtäglich seinen Alltag präsentiert.
  In Zeitungen lese ich furchtbar gerne Kolumnen, vor allen Dingen die von Axel Hacke und Juan Moreno.

  Haben Sie irgend welche speziellen Schulungen (Kurse o.ä.) für das Schreiben gemacht oder Bücher zum Thema gelesen? Was war beim Schreiben lernen aus ihrer Sicht hilfreich?

  Auf speziellen Schulungen war ich nicht, und die wahrscheinlich einzigen Bücher, die ich über das Schreiben gelesen habe, sind das Buch "20 Masterplots" von Ronald B. Tobias, in dem es um verschiedene Plotarten geht, vom Plot "Das Abenteuer" über den Plot "Das Rätsel" bis hin zu "Die Liebe" und Stephen Kings "Das Leben und das Schreiben", das ich fast an einem Stück durchgelesen. Als Lehrbuch würde ich es aber nicht bezeichnen.
  Was ich im Internet als recht hilfreich angesehen habe, ist die Website von Andreas Eschbach, in der der Autor viele Fragen öffentlich beantwortet, die ihm zum Thema Schreiben gestellt wurden.

  Ihre Texte haben immer einen mehr oder weniger starken Science-Fiction Hintergrund. Wie kommt es dazu?

  Ich mag Science-Fiction. Vielleicht liegt das daran, dass sich meine Mutter und mein Vater den Kinofilm "2001 - Odysee im Weltraum" angeschaut und mich quasi mitgeschleppt hatten - ich war damals noch im Bauch meiner Mutter und musste den gesamten Kubrickfilm aus der Gebärmutter heraus miterleben. Wahrscheinlich hat mich das geprägt. Ja, wahrscheinlich war es das, weshalb ich heute, vierundzwanzig, fünfundzwanzig Jahre danach noch immer Science-Fiction mag.
  Aber nicht alle meiner Texte haben einen Science-Fiction-Bezug. In der Kolumne "Ey Welt!" auf meiner Homepage geht es um den ganz alltäglichen Wahnsinn. Um satanistische Einkäufe in ganz gewöhnlichen Supermärkten. Um sprechende Ikea-Schränke, die keine Anziehsachen herausrücken wollen. Oder um nervige Krümel, deren Lieblingslied "Another one bites the dust" von Queen ist. Das Leben kann mitunter ganz schön unrealistisch sein.
  Und auch in meinem Fortsetzungsroman "Die letzten Wochen des Himmels" werde ich mich bemühen, nicht von Außerirdischen, Zeitreisen und Robotern zu schreiben. Stattdessen handelt dieser "heitere Schundroman" von Lungenkrebs, Fernsehsucht, widerwärtigen Taxifahrern und rosaroten, fliegenden Wölkchen, die man per Lenkrad und einem Gaspedal steuern kann. Und auch Gott wird darin vorkommen, außerdem noch stinkende Verbrecher, höfliche Verbrecher, rachsüchtige Verbrecher und raffinierte Verbrecher. Und vielleicht baue ich ja doch noch Außerirdische, Zeitreisen und Roboter ein, gegebenenfalls sogar außerirdische Roboter, die durch die Zeit reisen, wer weiß.

  Haben Sie schon versucht, Ihre Texte bei Verlagen anzubieten? Wie sind Ihre Erfahrungen dabei?

  Ich habe versucht, einen Gedichtband veröffentlichen zu lassen. Dabei bin ich jedoch unglaublich ziellos und unvorbereitet vorgegangen, habe die Gedichte an fast ein Dutzend Verlage geschickt. Was ich feststellen musste, ist, dass Gedichte sowieso recht selten gekauft werden, und schon gar nicht werden solche gekauft, deren Autor unbekannt und unerfahren ist. Eine Ablehnung kam mit den Worten zurück "Für unseren Verlag mit den Schwerpunktthemen Ostpreußen - Pommern - Schlesien sicherlich nicht geeignet". Ich hätte mich wirklich erst einmal darüber informieren sollen, was das überhaupt für Verlage waren, an die ich meine Gedichte geschickt hatte.

  Planen Sie in nächster Zeit, sich einmal an das Schreiben eines Romans heranzuwagen oder wollen Sie vorerst mit Ihrem Fortsetzungsroman und der Kurzform bleiben?

  Der Fortsetzungsroman ist doch ein Roman, nur dass ich ihn halt in unregelmäßigen Fortsetzungen veröffentliche. Es wäre schön, wenn ich es schaffen würde, ihn zuende zu schreiben, denn ich bin einer der vielen Menschen, die einen unfertigen Roman herumliegen haben. Ich veröffentliche "Die letzten Wochen des Himmels" jetzt im Internet, damit ich etwas mehr Druck bekomme, ihn auch wirklich bis zum letzten Buchstaben fertig zu bringen.
  Außerdem würde ich gerne einige meiner Kolumnen gesammelt in einem Buch herausbringen lassen. Vielleicht sollte ich noch einen Text über Ostpreußen, Pommern oder Schlesien schreiben und an den Verlag schicken, der meinen vermeintlichen Gedichtband aus vollkommen unerfindlichen Gründen abgelehnt hatte. Wahrscheinlich würde ich damit dann aber genauso wenig Erfolg haben.

Herzlichen Dank und viel Erfolg bei zukünftigen Projekten!

Von Alfred Ohswald am 18. 11. 2002

 

Till Frommann
Falsch verbunden
Kurzgeschichte

Till Frommann
Big Brother - Die Selbsthilfegruppe
Kurzgeschichte

Till Frommann
Der Heldentod
Kurzgeschichte

Till Frommann
Und die Moral des Spiels
Erzählung