Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter

Interview mit Hel Fried


Hel Fried

  Hel Fried ist Autor des Science-Fiction-Romans "Tinnitus", des ersten beim neuen Eldur-Verlag erschienenen Buches. Seine Biographie ist auf jeden Fall recht ungewöhnlich.
  Diese ungewöhnliche Biografie auf den ersten Seiten des Buches war eigentlich nie dazu gedacht für bare Münze genommen zu werden.
  In Wirklichkeit bin ich Österreicher, 33 Jahre alt und niemals mit irgendwelchen Rentierkarawanen durch Sibirien gezogen.
  Der Verlag bat mich, einen haarsträubenden Lebenslauf zu erfinden, als Anspielung darauf, dass nicht das Leben des Autors wichtig ist, sondern der Inhalt des Buches. Anscheinend habe ich jedoch zu wenig übertrieben, da viele Menschen diese Geschichte für möglich halten.

  Herr Fried, ist "Tinnitus" Ihre erste Veröffentlichung oder gab es vorher, wie bei SF-Autoren häufig, Kurzgeschichten von Ihnen in diversen Anthologien?

  Meine erste Veröffentlichung war die Kurzgeschichte "Unsterblich für ein ganzes Leben" in der Sci-Fi Anthologie "Jupiters Garten Eden" vom Pertes Verlag. Ein Verlag der, genau wie der Eldur Verlag, bei dem "Tinnitus" erschienen ist, neue, unbekannte Autoren fördert. Was in der heutigen Zeit eine Seltenheit geworden ist.
  Eine weitere Geschichte von mir "Juggernaut" ist in der Anthologie "Maschinengeburten" erschienen.

  Warum ist Ihr erster Roman aus dem Genre Science-Fiction?

  Science-Fiction ist das Genre, dass mich schon seit meiner Jugend fasziniert. Wobei ich die Kurzgeschichten aus den goldenen Jahren der Science-Fiction bevorzuge. Aber auch die großen Romanautoren wie Lem, Bester, Asimov, Heinlein und die moderne japanische Science Fiction haben mich beeinflusst.

  Wollen sie dem Genre treu bleiben oder wird es von Ihnen möglicherweise auch Bücher aus anderen Bereichen geben?

  Bislang habe ich nicht vor, mich von der Science Fiction zu entfernen. Zumindest meine nächsten Buch-Projekte werden sich bestimmt in diesem Genre bewegen. Aber, auch wenn ich in meinen Werken gerne das Schicksal der Menschheit vorwegnehme, glaube ich, dass die Zukunft immer mit Überraschungen aufwartet, die niemand erahnen kann. So auch meine eigene.


  Der erste Autor bei einem neuen Verlag, da stellt sich die Frage, wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

  Nun, wie auch dieses Interview geschehen viele Dinge heute übers Internet. Ich stelle regelmäßig Geschichten von mir auf www.Kurzgeschichten.de . Dieser Seite verdanke ich auch meine erste Veröffentlichung.
  Dort wurde ich auf das engagierte Projekt www.Roman-Workshop.de aufmerksam, das von zwei der dortigen Mitglieder ins Leben gerufen wurde. "Tinnitus" war zu diesem Zeitpunkt bereits fertig und ich beschloss, ein paar Kapitel dort einzustellen, um Reaktionen zu erhalten.
  Die Reaktion war dann für mich sehr überraschend. Die Betreiber der Seite hatten beschlossen aufgrund vieler guter eingereichter Manuskripte einen Verlag zu gründen und wollten mein Buch gleich als erstes veröffentlichen.


  Wie kam es zu dem, im Roman ja keine auffällige Rolle spielenden Buch-Titel?

  Das Wort Tinnitus, das ja im Buch selbst nicht vorkommt, bezieht sich auf das geheimnisvolle Signal, das in der Handlung eine wichtige Rolle spielt. Wie ein Tinnitus ist es ständig präsent aber nur telepatisch begabte Menschen können es hören, auch ihnen verrät es nur seinen Ursprung, aber nicht seinen Zweck.


  "Tinnitus" hat ja eine recht komplexe, verschiedene Handlungsstränge verzahnende Geschichte. Konstruieren Sie die Handlung vor dem Schreiben bereits über weite Strecken und nur grob und schreiben dann los?

  Die Idee zu "Tinnitus" hatte ich schon Jahre bevor ich zu schreiben begann. Als ich mich dann hinsetzte, um die Idee umzusetzen, nahm das Ganze während ich schrieb eine Art Eigenleben an. Charaktere machen sich selbstständig, andere kamen dazu und oft wusste ich selbst nicht mehr wie das Ganze enden würde.
  Ein gutes Beispiel dafür ist die Figur des Gabriel, er sollte eigentlich der skrupellos mordende Telepath werden. Als ich jedoch das Kapitel über ihn begann, bemerkte ich, dass er einfältig und geistig etwas zurückgeblieben war. So entstand der Gabriel im Buch und sein eigentlicher Part wurde dann von einem anderen Charakter ausgefüllt.
  Die eigentliche Geschichte ist also während des Schreibens entstanden. Das ist aber auch für mich selbst spannend, wenn ich schreibe. Ich habe zwar ein Konzept, aber manchmal geht die Geschichte Wege, mit denen ich selbst nicht gerechnet habe.

Schreiben Sie schon am nächsten Titel und können Sie uns etwas dazu verraten?

  Mein derzeitiges Romanprojekt heißt "Babel Kinder" und ist etwa zur Hälfte fertig. Es handelt sich dabei zwar auch um ein Sci-fi Szenario, aber es unterscheidet sich erheblich von "Tinnitus" sowohl im Stil als auch in der Handlung.
  Der Roman beschreibt eine perfekte Gesellschaft in ferner Zukunft, in der es weder Hunger noch Kriege noch Sorgen um die Zukunft gibt. Die Regierung sorgt für die Menschen und stellt ihnen alles zur Verfügung was sie benötigen.
  Frederik Vincent lebt in dieser perfekten Welt eigentlich ganz zufrieden, bis eines Tages ein Regierungsbeamter an seine Tür klopft und ihm mitteilt, er müsste eigentlich tot sein, und eine Erklärung verlangt warum er es nicht ist.
  Was er zunächst für ein Missverständnis hält, beginnt schnell bizarre Formen anzunehmen, zumal der Beamte behauptet es gäbe nur zwei mögliche Ursachen für diese Situation und darauf beharrt, die Sache aufzuklären.

  Herzlichen Dank für das Interview! Und weiterhin viel Erfolg!

Von Alfred Ohswald am 14. 7. 2004

 

Hel Fried
Tinnitus
Science Fiction