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Interview mit Elisabeth Florin

  Elisabeth Florin ist das Pseudonym von Dr. Claudia Vogl-Mühlhaus, die am 4. August 1958 in Augsburg geboren wurde. Nach Seminaren für Journalistik in den Südtiroler Städten Brixen und Bozen arbeitete sie als Finanzjournalistin und Kommunikationsexpertin für Banken in Frankfurt.
2003 begann sie, ihren ersten Krimi „Commissario Pavarotti trifft keinen Ton“ zu schreiben, der 2013 beim Emos-Verlag veröffentlicht wurde. Ein Jahr später folgte „Commissario Pavarotti küsst im Schlaf“.

  Ihre Krimis erwecken den Eindruck, dass Ihnen Südtirol sehr nahe steht. Trifft das tatsächlich zu?

  Mit Südtirol verbinden mich viele Erlebnisse. Dort habe ich mein journalistisches Handwerkszeug erlernt. Die Einflüsse aus Italien, Österreich und auch Deutschland schaffen eine ganz eigene Situation, die es nirgendwo anders auf der Welt gibt. Damit ist Südtirol für einen Kriminalroman ungemein reizvoll.
  Durch den Kontrast zwischen idyllischen Ortschaften in den Tälern und der rauen, hochalpinen Kulisse entsteht eine Atmosphäre, die mich als Autorin fasziniert. Außerdem ist Südtirol ein geschichtsträchtiger Ort - blutiger Schauplatz vieler kriegerischer Auseinandersetzungen, die tiefe Wunden geschlagen haben. Nicht zuletzt habe ich ganz einfach seit langem mein Herz an die Menschen und die Mentalität verloren.

  Laut Ihrer Biographie verbrachten Sie einige Zeit in Brixen und Bozen, für Ihren Roman wählen Sie aber Meran als Schauplatz. Wie kam es dazu?

  Ich habe vor mehr als 30 Jahren meine ersten journalistischen Gehversuche in Brixen und Bozen bei einem großen Radiosender gemacht. Meine Anknüpfungspunkte zu Meran sind allerdings noch älter und stammen aus meiner Kindheit. Vielleicht hat sich deshalb der Schwerpunkt nach und nach auf Meran verlagert. Inzwischen kenne ich das Städtchen von allen Orten in Südtirol am besten und habe dort viele persönliche Kontakte. Deshalb lag es nahe, für meine Südtirol-Krimis diesen Schauplatz zu wählen.
  Allerdings spielen auch andere Orte in Südtirol immer wieder eine wichtige Rolle, beispielsweise Bozen oder Katharinaberg im Schnalstal, wie in meinem neuen Krimi, Commissario Pavarotti spielt mit dem Tod, der im Mai 2016 erscheint.

  Werden Sie als Finanzjournalistin dieses Fachgebiet irgendwann auch in ihre Krimis einfließen lassen?

  Ich habe immer wieder mit dem Gedanken gespielt und ihn jedes Mal verworfen. Zum einen genieße ich meine literarische Arbeit als bewussten Kontrast zu meinem sonstigen Tun, dieser Effekt wäre dann dahin. Darüber hinaus kommt mir die Story vom „bösen Banker‘ und Finanzhai, der über Leichen geht, zu banal vor, vielleicht aber nur, weil ich die Branche so gut kenne? Ich denke, diese Geschichten können andere Autorinnen und Autoren mit mehr Leidenschaft schreiben.

  Warum entschieden Sie sich für das Krimi-Genre?

  Man kocht doch am liebsten und am besten die Gerichte, die man besonders gerne isst. So ist es bei mir auch mit dem Schreiben: Ich lese Krimis mit Begeisterung, deshalb schreibe ich sie auch. Ich kann mir momentan nicht vorstellen, in ein anderes Genre zu wechseln.

  Stand der berühmte Tenor Pate für Ihren Commissario und wie kam es dazu?

  Natürlich ist es kein reiner Zufall, dass mein Commissario Luciano Pavarotti heißt. Ich bin zwar begeisterter Pavarotti-Fan, aber bei der Figur ging es mir weniger um musikalische Anklänge. Auch hinter dem Titel des Erstlings „Commissario Pavarotti trifft keinen Ton“ steckt mehr als opernhaftes Geplänkel. Mir schwebte ein Charakter vor, für den ein berühmter Name eine Belastung darstellt, mit der er nur sehr schwer fertig wird. „Mein“ Pavarotti hat ohnehin Schwierigkeiten im Umgang mit Menschen, und der Name - für den er schon als Kind verspottet wurde – macht ihn nur noch verwundbarer. Singen kann er übrigens überhaupt nicht.

  Welche Bücher lesen Sie selbst gerne, und gibt es einen absoluten Favoriten?

  Ich mag komplex gestaltete Plots, weniger dagegen bluttriefende Thriller. Meine Favoriten wechseln zwar von Zeit zu Zeit, die großen angelsächsischen Crime Ladies spielen aber immer auf den vorderen Plätzen mit.
  Wenn ich nur zwei Bücher mit auf die berüchtigte einsame Insel nehmen dürfte, dann wäre wahrscheinlich eines von Dorothy L. Sayers dabei, vermutlich „Mord braucht Reklame“. Leider hat sie ja nur rund 15 Jahre lang Kriminalromane – mit dem hinreißenden Lord Peter Wimsey als Hauptfigur – geschrieben und dem Genre dann den Rücken gekehrt. Immer wieder mit lese ich auch „Wenn die Dunkelheit fällt“ von Peter Robinson mit Genuss, das käme auch mit in den Koffer.

  In Ihrem zweiten Krimi merkt man einen deutlichen Fortschritt. Wie viel Zeit lag zwischen dem Schreiben von „Commissario Pavarotti trifft keinen Ton“ und „Commissario Pavarotti küsst im Schlaf“?

  Vielen Dank für das Lob! Zwischen beiden Krimis lagen nur knapp 20 Monate. Ihre Entstehung verlief allerdings sehr unterschiedlich. Das erste Buch habe ich über fast ein Jahrzehnt, natürlich mit Unterbrechungen, neben meinem sehr zeitraubenden Job in einer Ratingagentur geschrieben. Ein Schreib-Häppchen am Flughafen hier, eine Schreib-Häppchen im Hotel dort…
  Nachdem der erste Roman recht erfolgreich war und ich mich beruflich verändert habe, konnte ich die Zeit zwischen Schreiben und „normaler“ Arbeit anders aufteilen. Der zweite Band entstand dann sehr komprimiert in gut zehn Monaten reiner Schreibzeit, vielleicht merkt man dies dem Buch an? Beim dritten Band, der im Mai 2016 veröffentlicht wird, habe ich diese Arbeitsweise beibehalten. Natürlich wird man als Autor mit jedem Buch erfahrener und lernt dazu. Auch das dürfte sich bemerkbar machen.

  Herzlichen Dank für das Interview! Und weiterhin viel Erfolg!

Von Alfred Ohswald am 23.12.2015