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Interview mit Christian Springer


  Christian Springer, Jahrgang 1964, studierte semitische Sprachen (Arabisch, Aramäisch und Hebräisch), Philologie des christlichen Orients und Bayrische Literaturgeschichte. Dieses Interesse führte zu häufigen Reisen in arabische Länder und später Hilfsprojekten in Syrien und Nachbarländern.
  Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Springer als „Fonsi“ auf Kabarettbühnen bekannt. Heute verzichtet er auf diese Figur und tritt unter seinem eigenen Namen auf. Oft auch in der Nachfolge Ottfried Fischers in der Fernsehsendung Schlachthof gemeinsam mit Michael Altinger. Neben zahlreichen kabarettistischen Büchern veröffentlichte Springer „Wo geht's hier nach Arabien?“ und „Nazi, komm raus! Wie ich dem Massenmörder Alois Brunner in Syrien auf der Spur war“


  Hatten Ihre Entdeckungen zu Alois Brunner bisher irgend welche Konsequenzen in Deutschland oder waren die Reaktionen ungefähr wie nach den Fahndungspannen (oder ärgerem) beim NSU?

  Die einzig logische Konsequenz wäre gewesen, Syrien unter Druck zu setzen, um Alois Brunner auszuliefern. Stattdessen hat man der Diktatur eine dreistellige Millionensumme an Schulden erlassen – ohne irgendeine Forderung.

  Wären Lawrence von Arabien, Alois Musil, Napoleon oder die bettelarmen Gastarbeiter(innen) als Hausmädchen oder auf den Baustellen nicht ein naheliegender Kandidat für „Wo geht's hier nach Arabien?“ gewesen? Oder anders gefragt, wären Fortsetzungen zu dem Buch nicht naheliegend?

  Entschuldigung, Napoleon ist Franzose. Und im Buch geht es ja um die deutschen, oder besser: deutschsprachigen Promis und ihre Arabienreisen. Aber eine Fortsetzung würde mich wirklich freuen. Hallo, Verlag, bitte melden!

  Eine wohl gerade unausweichliche Frage: Was wissen bzw. denken Sie über den IS? Ist deren letztendliches Ziel tatsächlich die Bekehrung der ganzen Welt zum Islam oder ist das Propaganda? Zumindest deren Führer müssen sich doch des atomaren Vernichtungspotentials ihrer großen Gegner bewusst sein?

  Der Ursprung des IS liegt im irakischen Widerstand gegen die US-Truppen. Da sind viele Offiziere Saddam Husseins darunter, die noch alte Rechnungen offen haben, und das ganze angereichert mit x-tausenden frustrierten jungen Moslems aus der ganzen Welt, die das Wort Koran zwar nicht richtig buchstabieren können, aber glauben, Sie haben das seligmachende Islamwissen.


  Laufen nicht die Ölländer mittel- bis langfristig Gefahr, in eine tiefe wirtschaftliche Rezension und noch mehr Kriege zu stürzen, sobald ihre Geldquelle versiegt, ähnlich etwa Spanien und Portugal nach versiegen des Goldstromes aus Südamerika?

  Das Öl wird sowieso knapp. Aber unser Denken heisst ja auf der ganzen Welt: nach uns die Sintflut. Interessant ist Ihr historischer Vergleich schon. Aber Spanien ging nicht pleite, nachdem das Gold weg war, sondern WEIL es in Massen daherkam. Heute ist die Welt reich wie nie zuvor, und wie nie zuvor breitet sich die Armut aus.

  Herzlichen Dank für das Interview! Und weiterhin viel Erfolg!

Von Alfred Ohswald am 12. 1. 2015