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Interview mit Christian Klinger

  Der 1966 geborene Christian Klinger lebt und arbeitet in Wien als Jurist. In der Freizeit gehört seine Leidenschaft neben der Schriftstellerei der Musik.
  Seine literarische Karriere begann er mit Kurzkrimis aller Art für Zeitungen. Danach einige Kriminalromane mit dem Ermittler Seidenbast (u.a. „Tote Augen lügen nicht“, „Das Don Juan Gen“ usw.). Aktuell erschien mit „Gleichenfeier“ nach „Winzertod“ der zweite Roman mit seinem Helden Marco Martin.


  Hatte Ihre Ausbildung zum Juristen Einfluss auf ihre Wahl des Krimi-Genres?

  Das hätte ich jetzt nicht so gesehen, obwohl es wahrscheinlich ein wenig zutrifft. Was mir am Krimi besonders gut gefällt, ist wenn einer alle austricksen will, und es ihm nur knapp nicht gelingt, weil ein anderer noch cleverer ist (daher auch mein Hang zu klassischen Whodunits). Das ist bei uns Juristen ja nicht anders (kein Wunder, dass die breite Bevölkerung diesem Stand mit Skepsis entgegentritt). Im letzten Roman hat Marco Martin mit dem Anwalt Dr. Lichtenfels sogar einen gefährlichen Gegenspieler.

  Haben sie literarische Vorbilder unter den Krimi-Autoren?

  Jeder Autor, der ein Buch geschrieben hat, ist ein Vorbild für mich, weil ich weiß, wie viel Arbeit und Energie in so einem Projekt steckt. Aber ja, an Agatha Christie oder Patricia Highsmith kommt man kaum vorbei – eigentlich auch nicht an Donna Leon. Von der heimischen Szene würde ich neben Wolf Haas exemplarisch noch Stefan Slupetzky oder Andreas Pittler nennen.

  Welche Autoren lesen sie abseits des Krimi-Genres gerne?

  Ich lese fast nur (österr.) Krimis, was daran liegt, dass mein Interesse vor allem der Kollegenschaft gilt und mich natürlich interessiert, was sie, und wie sie es schreiben. Als junger Mensch war ich fasziniert von Hesse oder von Kafka, ich las aber auch viele historische Sachbücher zur NS- Zeit. Daher hat mir zuletzt etwa „der Hase mit den Bernsteinaugen“ von Edmund de Waal sehr gut gefallen.


  Welche Musikrichtung spielen sie mit ihrer Band und welche hören sie persönlich gerne?

  Im Moment spiele ich Rockmusik, obwohl ich eher dem Soul oder Funk zugetan bin. In letzter Zeit habe die Musik von Franz Zappa, die ich wohl nie spielen können werde, für mich wiederentdeckt.


  Wie kam die Idee zu dem etwas eigenartigen Verhältnis ihres Helden Marco Martin zu seiner Schwester?

  Im ersten Roman gab es ja, vom Onkel abgesehen, nicht viel Familie um Marco Martin. Sozusagen als Cliffhanger für eine etwaige Fortsetzung wird seine Schwester ins Spiel gebracht und angedeutet, dass er den Kontakt zu ihr abgebrochen hat. Im neuen Roman musste eine Erklärung dafür her. Nachdem die Eltern nicht mehr leben, wäre eine Erbschaftsstreitigkeit naheliegend gewesen, aber das schien mir zu banal (oder real). Außerdem (und jetzt können Sie mein Grinsen nicht sehen), war ich ein Einzelkind, hätte mir als Teenager aber manchmal eine große Schwester gewünscht. Auch wenn dies ein Tabu darstellt, ist es für mich nachvollziehbar, wenn es eine solche Anziehung zwischen Geschwistern gibt (mehr möchte ich aber nicht verraten). Neu ist das in der Literatur ja nicht.

  Haben Sie zur Baubranche. dem Hintergrund in „Gleichenfeier“ und ein wenig ja auch in „Winzertod“ recherchiert oder eigene Erfahrungen verarbeitet?

  Ein wenig konnte ich für „Gleichenfeier“ aus meinem beruflichen Erfahrungsschatz schöpfen, wobei die kriminelle Handlung ja dann eigentlich Branchen übergreifend ist. Aber gewisse Dinge in meinen Romanen kommen auch aus meinem Berufsalltag. Für Winzertod musste ich mehr recherchieren, wobei der Bezug zum Weinbau ja nicht annähernd so tief geht wie in anderen in diesem Milieu angesiedelten Krimis. Mir ging es ja auch um etwas anderes: Ich habe zuvor zehn Jahre in Sievering gelebt und einige dann in Neustift, daher ist mir die Grundstücksspekulation in dieser Gegend aufgefallen (und mittlerweile muss ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge sagen, ich hatte leider recht).


  Wollen Sie dem Krimi-Genre treu bleiben oder planen Sie auch literarische Ausflüge in andere literarische Sparten?

  Einmal Krimi – immer Krimi.
  Nein ganz im Ernst. Ich bin am Plot vom dritten Marco Martin (AT: Theatertod) dran und hab auch schon mit den ersten Passagen begonnen. Ein Wechsel in eine andere Romansparte wäre interessant und ich hab da auch in der Vergangenheit immer wieder Projekte begonnen, doch meistens bleibe ich dann mittendrinnen stecken. Ein konkretes Vorhaben wäre aber ein Buch, das ich nach Theatertod vielleicht angehen möchte. Es wird in der nahen Zukunft spielen und sich mit unserer überalterten Gesellschaft auseinandersetzen. Mehr kann ich dazu aber im Moment nicht sagen.

  Herzlichen Dank und viel Erfolg für Ihre nächsten Krimis!

Von Alfred Ohswald am 8. 10. 2013