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In Memoriam Ingmar Bergman
*14.Juli 1918 †30.Juli 2007


Einleitung:
  Zum zweiten Mal jährt sich am 30.Juli 2009 der Todestag des von der Jury der Internationalen Filmfestspiele von Cannes 1997 als „besten Filmregisseur aller Zeiten“ ausgezeichneten Ingmar Bergman. Dieser große Filmschaffende des europäischen Films hinterließ in seiner 57jährigen Schaffenszeit ein Werk von über 60 Filmen, die bis heute an ihrer Wirkung nichts eingebüßt und immer noch Einfluss auf Größen des Filmsgeschäfts wie Woody Allen, Ang Lee oder Lars von Trier haben. Buchkritik.at würdigt den Träger der „Palme der Palmen“ mit einer kleinen Retroperspektive, die nebst seinem filmischen Werk auch Literatur des Regisseurs als auch über den Filmschaffenden und sein Werk beinhaltet.
  Eine Hommage an die Suche nach Gott, die Beschreibung menschlicher Zustände von existenzieller Verzweifelung bis humorvolle Leichtigkeit, an die Mythologie und an die Suche nach dem Sinn oder um es mit den Worten Bergmans zu sagen:
  „Mein ganzes Leben als Künstler ist ein Versuch, in Kontakt zu anderen Menschen zu kommen, also diese Einsamkeit zu verlassen.“

Biographie:
  Ingmar Bergman, geboren am 14. Juli 1918 im schwedischen Uppsala als Sohn einer streng religiösen Familie, gilt als einer der bedeutendsten Filmemacher des 20. Jahrhunderts. Bereits während seines Studiums der Literatur- und Kunstgeschichte inszeniert er erste Theaterstücke an einer Studentenbühne. Aus finanziellen Gründen muss er jedoch die Universität verlassen und nimmt 1940 einen Job als Drehbuchautor bei der "Svensk Filmindustri" an. Zur gleichen Zeit bekommt er einen Posten als Regieassistent an der Königlichen Oper in Stockholm.

  Sein Debüt als Filmregisseur gibt Bergman 1946 mit dem Drama "Die Krise". Der große Durchbruch gelingt im allerdings erst mit der von Shakespeare und Schnitzler inspirierten, erotisch angehauchten Komödie "Das Lächeln einer Sommernacht", die bei den Filmfestspielen von Cannes 1956 mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wird. In den kommenden Jahren und Jahrzehnten festigt Bergman mit Arbeiten wie der düsteren Mordparabel "Die Jungfrauenquelle" (1959) oder dem surreal anmutenden Skandalfilm "Das Schweigen" (1963) über zwei ungleiche Schwestern, die in einem Hotel einem Strudel der sexuellen Begierde und des Hasses verfallen, seinen Ruf und seine Bedeutung als Regisseur ebenso philosophisch anspruchsvoller wie psychologisch präziser Melodramen.

  Immer wieder geht es in Bergmans Werk um Sinnsuche, Moral und die Komplexität zwischenmenschlicher Beziehungen – so auch in dem mehrfach preisgekrönten Mutter-Tochter-Drama "Herbstsonate" (1977/78) oder dem autobiografisch geprägten, poetischen Familienepos "Fanny und Alexander" (1981/82). Bergman, der als Drehbuchautor und Regisseur insgesamt acht Mal für den "Oscar" nominiert war und 1971 den Irving G. Thalberg Award für seine Lebenswerk erhielt, hat mit seinen Arbeiten zahlreiche Filmemacher beeinflusst, darunter Jean-Luc Godard, Eric Rohmer und vor allem Woody Allen, der den Schweden immer wieder als Vorbild und Inspirationsquelle nennt.

  Bergman selbst steht seinem Ruhm zeitlebens skeptisch-distanziert gegenüber. So erklärt der extrem zurückgezogen lebende, nach eigenem Bekunden an Depressionen leidende Regisseur immer wieder seinen Ausstieg aus dem Film- und Theatergeschäft (um sich dann doch wieder zurückzumelden) und weigert sich 1997, nach Cannes zu reisen, um dort einen Preis für sein Lebenswerk in Empfang zu nehmen.

  Im Jahr 2000 feiert er mit einer hoch gelobten Theaterinszenierung von Ibsens "Gespenster" in Stockholm einen späten Triumph. Im Jahr 2003 schließlich macht er seine Ankündigung wahr und zieht sich nach Realisierung des TV-Familiendramas "Saraband" auf die Ostseeinsel Farö zurück, um nur noch zu schreiben und Filme anzuschauen. Ingmar Bergman, der mehrfach verheiratet war und fünf Jahre mit seiner Stammschauspielerin Liv Ullmann zusammenlebte, stirbt am 30. Juli 2007 im Alter von 89 Jahren in seinem Haus auf Farö..


Filmisches Werk:
Sein Werk handelt von
• Suche nach Gott
• Deindividualisierung
• Suche nach dem Sinn
• Verlust von menschlicher Nähe
• Kunst als Sprachrohr
• Sprache als Symbol von Kommunikation
• Mythologie


Filmographie:

  Ingmar Bergmans Werk wurde insgesamt 58-mal mit Preisen von nationalen bzw. internationalen Filmfestivals ausgezeichnet.
  5 Mal bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes, darunter findet sich der große Preis, der Sonderpreis der Jury, der Preis für die beste Regie, sowie der Ökumenischen Jury für das Lebenswerk.
  Als wichtigste Auszeichnungen der Festspiele von Cannes an Ingmar Bergman gilt sicherlich die „Palme der Palmen“ als Bester Regisseur aller Zeiten, die bis dato nur einmal an den Schweden verliehen wurde.
  1959 wurde im der Spezialpreis der Jury im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele von Venedig verliehen, 24 Jahre darauf der „Goldene Löwe“ für sein Gesamtwerk, sowie der „Goldene Bär“ der Berlinale für seinen Film „Wilde Erdbeeren“.
  1970 wurde der Filmschaffende mit dem Oscars/Irving G. Thalberg Memorial Award der Amerikanischen Filmakademie ausgezeichnet und bekam 1961 für „Die Jungfrauenquelle“, 1962 für „Wie in einem Spiegel“ und schlussendlich 1984 für seinen letzten Kinofilm „Fanny und Alexander“ den Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film verliehen.

Filmtabelle:

Einflüsse:

  Sowohl in seiner Autobiographie als auch in zahlreichen Interviews gestand Bergman den Einfluss des schwedischen Dramatikers August Strindberg auf sein Werk. Dieser Autor mit seinen Hauptwerken „Das Traumspiel“, „Gespenstersonate“, „Fräulein Julie“ und „Nach Damaskus“ begleitete Ingmar Bergman seit seiner ersten Lektüre in der Kindheit und waren oft Gegenstand von Inszenierungen als Theaterregisseur, wurden aber ebenso oft als Anleihe in seinen Filmen benützt, wie zum Beispiel „Das Traumspiel“ in „Wilde Erdbeeren“.
  Auch Henrik Ibsen als zweiter großer Dramatiker Skandinaviens und vor allem sein Werk „Nora (Ein Puppenheim)“ spiegeln sich in der Darstellung der Frauenfiguren Bergmans wieder.

  Maßgeblicher filmischer Einfluss auf den Regisseur hatte die surrealistische Bewegung sowie das schwedische Stummfilmerbe. Bei beiden Einflüssen ist jeweils ein Name zu nennen.
  Luis Buñuel und das Motiv des Traums als Ensemble der surrealistischen Künstlerbewegung. In diesem Zusammenhang sei der Buñuels Film „Der andalusische Hund“ (Un perro andaluz), der in Zusammenarbeit mit dem spanischen Künstler Salvador Dalí entstand, von Bedeutung.
  Sowie im schwedischen Erbe der Stummfilmregisseur Victor Sjöström, dem Bergman zum Teil seine Karriere durch wiederholtes Eingreifen zu verdanken hat. Dem Schöpfer von Klassikern wie „Der Fuhrmann des Todes“ und „Das Todeskuss“, welcher seinem eigenen Werk nie gelten ließ, schuf Bergman mit „Wilde Erdbeeren“ ein Denkmal, indem er sein Vorbild als Protagonist für den Film als alternder misanthropischer Professor engagierte.

  Als weitere und sicherlich wichtigste Einwirkung ist die Arbeit am Theater als Theaterregisseur zu nennen, die sich in Filmen wie „Das siebente Siegel“ oder „Die Zauberflöte“ zeigt.

  Aber auch Menschen, wie die Lebensgefährtinnen und Ehefrauen des Filmschaffenden zeugen von ihrer Wirkung in seinen Filmen wie zum Beispiel „Zeit mit Monika“, „Persona“ oder „Das Schweigen“. Generell ist von einem extremen biographischen Einfluss zu sprechen, der auch die Kindheit und die Familie beinhaltet und das Vater und Mutterbild im kinematographischen Werk prägte.

  Als ein weiter wichtiger Einfluss sei die Musik Bartoks, Chopins und Bachs sowie Mozarts genannt, die sich in fast all seinen Filmen wiederfindet.


  Am 14. Juli diesen Jahres wäre der vor 2 Jahren am 30. Juli verstorbene Ingmar Bergman 91 Jahre geworden. Die letzten 3 Jahre nach dem Tod seiner Ehefrau Ingrid Bergman, geboren von Rosen, verbrachte der Film- & Theaterregisseur, Drehbuchautor sowie Schriftsteller auf der Insel Fårö in seinem dort errichteten Haus.


Von Sascha Todtner am 30. 7. 2009

 

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