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Interview mit Alfred Aigelsreiter


Alfred Aigelsreiter

  Seit Anbeginn stammen bis auf wenige Ausnahmen sämtliche Texte der "Brennessel"-Shows aus seiner kundigen Feder. Bei 21 Programmen, mit rund 120 Minuten Spieldauer bedeutet dies eine ganze Menge von Anschlägen (auf seiner Schreibmaschine selbstverständlich), die auf sein Konto gehen.
  Seit seiner Jugend ist der am 5. August 1954 ein begeisterter Sportler. War es früher der Fußball, er kickte zwar erfolglos, dafür um so ehrgeiziger beim VfB Mödling, so ist es heute der Berglauf, der dem mit Gattin Michaela und Sohn Niklas in Mödlings grüner Lunge lebenden Verseschmied zur Leidenschaft geworden ist.
  Übers Jahr nimmt er den Anninger, den Hausberg der Mödlinger, an die 120mal unter die Sohlen seiner Laufschuhe, ebenso wie die Großglockner-Hochalpenstraße und das ist immerhin der 4. größte Berglauf Europas. Aber auch der Gaisberg ist während des alljährlichen Salzburg-Gastspiels vor seinen schweren Tritten nicht sicher.
  Zwar betont er selbst immer wieder zutiefst unmusikalisch zu sein, betreibt aber damit zweifelsohne Understatement. Er hat seine Favoriten, und für die geht er kilometerweit, ob das jetzt die "Dubliners", Konstantin Wecker, die "Biermösl-Blosn", die steirische Folkgruppe "Aniada a Noar" oder der "Bairisch Diatonische Jodelwahnsinn" ist. Auch in puncto Beethoven kann er mit Fachwissen brillieren. Trotzdem ist es den Kollegen bisher noch nicht gelungen, ihn in den Programmen zu einem Lied zu nötigen.
  Ansonsten ist es der wortgewaltige Blondschopf gewohnt, seine Entspannung zwischen der reichhaltigen Bibliothek, dem Biotop und seinem gediegenen Weinkeller zu suchen, in dem er ein reichhaltiges Sortiment an Gumpoldskirchner und burgenländischen Edeltropfen hortet.
  Neben dem Kabarett findet Alfred Aigelsreiter hin und wieder auch Zeit, Bücher zu schreiben. Zwei davon "Verhiast und Zugemoikt" 1994 und "Wende-Wolfis geheimes Tagebuch" 2001 sind im Verlag Edition Va bene erschienen. Zwei von ihm verfasste Bildbände "Mödling wie es einmal war" I und II hat der Autor im Eigenverlag herausgegeben.

  Herr Aigelsreiter, Sie sind in Wien geboren - leben aber seit langer Zeit in Mödling. Was hat Mödling - was andere Städte oder Gegenden nicht haben?

  Mein Geburtsort Wien ist mehr oder weniger ein Zufall. Ich habe meine Kindheit und Jugend in Mödling verbracht, und wohne nach einem 17jährigen Intermezzo in Wiener Neudorf, nun wieder in Mödling. Eine Stadt, in der ich mich seit je her heimisch fühlte, die durch ihre Nähe zu Wien sowie ihre Nähe zur Natur für mich die ideale Symbiose darstellt.

  Ihre beiden Bildbände über Mödling und Umgebung sind wahre Leckerbissen für Freunde von historischen Aufnahmen. Ihr starker Bezug zur Stadt und zum Bezirk Mödling ist unübersehbar. Ihre Verbindung zu diesem Stück Niederösterreich scheint viel stärker zu sein als die vieler sogenannter Ur-Mödlinger zu "ihrer" Stadt. Worauf führen Sie das zurück?

  Nachdem ich hier zu Hause bin, ist meine intensive Bindung zu Mödling geklärt.
  Zu meiner Bildsammlung kam ich auch wieder nur zufällig, nachdem mir ein namhafter Lokalhistoriker erklärte, daß es diese alten Ansichtskarten in absehbarer Zeit nicht mehr geben wird, versuchte ich mir die "letzten Reste" auf Flohmärkten, Auktionen usw. anzueignen. In der Zwischenzeit sind es mehr als 2500 verschiedene Motive geworden.

  Sie haben die beiden "Mödling-Bände" im Eigenverlag herausgebracht. Ist dieser Weg nicht immens schwierig und natürlich auch kostenintensiv?

  Ich habe Schriftsetzer gelernt, daher ist es für mich ein leichtes ein Buch zu gestalten. Mir konnte also in der Druckerei niemand "etwas aufs Auge drücken".
  Was die Kosten angeht, ist der Weg des Eigenverlages auch der klügere. Der Markt für heimatliche Bildbände ist äußerst klein, außerhalb des Bezirks Mödling ist das Interesse an meinen Bildbänden gleich null. Also hat man den Markt ziemlich genau im Auge. Die Kosten für die Buchherstellung sind übersehbar und nach etwa 700 verkauften Bänden "herinnen". Ab diesem Zeitpunkt wird's ein Geschäft. Das muß es auch sein, schließlich sind die Ansichtskarten und Bilder auch nicht mehr billig und ein Verlag zahlt normalerweise nur 10% Autorenhonorar. So gesehen bleibt mehr übrig, wenn man diese Art von Bildbänden im Eigenverlag herausbringt.

  Wie man auch in "Verhiast und zugemoikt" nachlesen kann, greifen Sie in Ihren Kabarettprogrammen die verschiedensten Themen auf. In Ihrem letzten Buch "Wende-Wolfis geheimes Tagebuch" erschienen im Verlag Edition va bene, befassen Sie sich ausschließlich mit Politik. War das eine einmalige "Interpretierung der Regierung" aus Ihrer Sicht, oder sind Sie seit der Formation "schwarzblau" nun so richtig auf den Geschmack gekommen, verstärkt auch politisches Kabarett zu machen?

  Wir haben eigentlich immer politisches bzw. gesellschaftskritisches Kabarett gemacht. Nachdem wir bereits über 20 Jahre auf der Bühne stehen, haben wir auch schon vier rote Kanzler "verbraucht".
  Aber diese besondere Konstellation einer Regierung, wie sie derzeit im Amt, aber nicht in Würden ist, fordert einen praktisch heraus, sich mehr Gedanken zu machen, als sie eigentlich verdient.

  "Wende-Wolfis geheimes Tagebuch" ist ein sehr gelungenes Buch mit großem Unterhaltungswert - das nach allen Seiten austeilt. Wie sind Sie auf diese Art ein Buch zu schreiben gekommen?

  Dr. Walter Weiß, der Verleger von vabene schlug mir vor, ein ebenso politisches wie satirisches Buch zu schreiben. Nach einigem Zögern überlegt man dann, welche Form dafür die geeignetste ist, und so nimmt halt alles seinen Lauf.

  Was bedeutet Politik für Sie im allgemeinen? Muss ein Kabarettist zwangsweise ein politischer Mensch sein? Oder genügt es, das tägliche Polit-Hick-Hack mit einem (oder besser zwei) Augenzwinkern zu sehen?

  Oftmals übertrifft ja die politische Realität jedes noch so brillante Kabarett. Politik ist alles, ob das Brot teurer wird, oder Nebenbahnen eingestellt werden. Immer und überall stecken die Politik bzw. die Interessen einer Gruppierung dahinter.
  Für die "Brennesseln" ist wichtig, sich mit diesen Problemen und Tastsachen auf satirische und humorige Weise auseinanderzusetzen.
  Daß Kabarettisten heutzutage nur mehr selten politische Menschen sind, beweist ein Blick auf die sogenannte "Szene". Politisches Kabarett ist eher out, weil es mit allzuviel Arbeit, sprich ständigem Ändern und Feilen am laufenden Programm verbunden ist.
  Derzeit ist Comedy angesagt. Man referiert über eigene oder zwischenmenschliche Befindlichkeiten und Unzulänglichkeiten. Dafür muß ein Programm nicht ständig erneuert werden und es kann auch länger gespielt werden - wenn man dafür Veranstalter und Publikum findet.

  Herr Aigelsreiter, Sie sind der Gründer der erfolgreichen Kabarettgruppe "Brennesseln" und Sie schreiben seit 1981 die Texte für die Programme. War das Schreiben des "Wende-Wolfis ..." und das Herausgeben der beiden "Mödling-Bücher" eine gewollte und vor allem willkommene Abwechslung zum Erstellen von Kabarettsketches und -liedern der letzten 20 Jahre?

  Der "Wende-Wolfi" war insofern eine neue Herausforderung, weil ich absolut jeden Tag die Zeitungen durchlesen mußte, um zu sehen, wie es nun weitergeht. Welche Handlung man wieder durch den Kakao ziehen kann, welches Zitat es wert ist, satirisch "behandelt" zu werden.
  Natürlich waren auch die Mödling-Bücher eine nette Abwechslung. Schließlich mußte ich mich in dieser Zeit etwas näher mit der Geschichte Mödlings befassen.

  Haben Sie vor, neben dem Verfassen der "Brennessel-Texte" auch weitere Bücher, abseits vom Kabarett, zu schreiben? Gibt es Pläne, noch mehr über Mödling zu veröffentlichen? Das Thema Wienerwald ist ja heuer sehr aktuell.

  So wie die Dinge stehen, werde ich wahrscheinlich im Herbst 2003 einen neuen Satireband herausbringen. Das Thema ist mir schon klar, möchte aber vorerst nicht mehr verraten.
  Was die Mödling-Bücher angeht, wollte ich es ursprünglich bei diesen beiden Bänden belassen, habe aber bereits jetzt schon wieder so viele neue "alte" und vor allem bisher unveröffentlichte Bilder gehortet, daß ich in einigen Jahren einen dritten und endgültig letzten Band ins Auge fassen kann. Weiters wird es vom ersten Mödling-Band in diesem Jahr eine Neuauflage geben, da dieser momentan restlos vergriffen ist.

  Herzlichen Dank für das Interview und viel Erfolg für die kommenden Projekte.

Von Johann F. Janka

Links:
Die Website der Kabarettgruppe "Die Brennesseln"

Alfred Aigelsreiter
Verhiast und Zugemoikt
Kaberettistisches aus der Alpenrepublik

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Wende-Wolfis geheimes Tagebuch
Eine satirische Fiktion

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