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Andreas Gruber


Andreas Gruber

  Andreas Gruber, 1968 in Wien geboren, lebt heute in einer kleinen Ortschaft südlich von Wien. Er veröffentlichte bisher in erster Linie Sciencefiction-Kurzgeschichten. Im Herbst 2001 erschien der Band "Die letzte Fahrt der Enora Time" im Berliner Shayol-Verlag, mit sieben SF-Erzählungen. Einige seiner Texte sind im Internet frei verfügbar.
  Beim Literaturwettbewerb des NÖ Donaufestivals 1999 zählte er zu den Preisträgern. Ein Jahr später wurden zwei seiner Erzählungen für den Kurd Laßwitz-Preis nominiert. Sein Erzählband "Der fünfte Erzengel", mit neun Horrorstories, erzielte den vierten Platz beim Deutschen Phantastik Preis 2001 für die beste Anthologie. 2002 erreichte er mit seiner Kurzgeschichte "Die letzte Fahrt der ENORA TIME" aus dem gleichnamigen Buch den zweiten Platz hiner Michael K. Iwoleits "Wege ins Licht" beim Deutschen Science Fiction Preis und dritten beim Kurd-Laßwitz-Preis in der Kategorie Beste deutschsprachige SF-Kurzgeschichte.
  Gruber arbeitet halbtags im Büro und gibt nebenbei Schreibkurse an Nachwuchsautoren.

  Wie kam es, dass Sie sich auf das Genre Phantastische Literatur konzentrieren?

  In meiner Jugend habe ich die "Mark Brandis" Weltraumpartisanen-Serie verschlungen, mich bei den Kurzgeschichten von Stephen King gegruselt und abends, als meine Eltern schliefen, heimlich "Raumschiff Enterprise" gesehen. Vermutlich hat mich das geprägt.
  Die Pflichtlektüren im Deutsch-Unterricht wie Böll, Kafka und Hugo von Hofmannsthal haben mich nie sonderlich fasziniert. Hemingway lese ich heute zwar gerne, doch damals war mir das zu langweilig. Edgar Allan Poe und Gespenster-Krimis waren da schon eher mein Fall.
  Mit sechzehn habe ich mich statt an tiefsinniger Lyrik, wie es in diesem Alter üblich ist, an eigenen John Sinclair Heftromanen versucht. Die Faszination für Horror, Thriller und Sciencefiction ist mir geblieben. Hier kann man die eigene Fantasie wunderbar ausleben, es sind einem keine Grenzen gesetzt.

  Welche Bücher sind Ihnen in letzter Zeit besonders positiv aufgefallen?

  Spontan fallen mir Ben Bovas SF-Roman "Venus" ein, der eine rasante Expedition zum heißen Planeten schildert, Jean-Christophe Grangés "Die purpurnen Flüsse", der die Verfilmung um Längen übertrifft, und "Das Haus des Daedalus" des deutschen Autors Kai Meyer, dem mit diesem Roman ein fantastisch guter Mystik-Thriller gelungen ist. Ansonsten kann ich die unheimlichen Kurzgeschichten von David Morrell nennen, die Detektiv-Krimis von Dennis Lehane und so ziemlich alles aus der Feder von Joe R. Lansdale. Woher der Mann die Energie und die Dynamik für seine Geschichten nimmt, ist mir schleierhaft.

  Gibt es Autoren, die Sie beim Schreiben beeinflussen?

  Im Prinzip beeinflusst alles beim Schreiben: jeder Film, den man sieht, jedes Gespräch, das man führt und alle Bücher und Kurzgeschichten, die man liest. Die meisten dieser Einflüsse passieren unbewusst. Dem kann man sich nicht entziehen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Monate, nachdem ich die SF-Novelle "Die letzte Fahrt der Enora Time" zu Ende geschrieben hatte, sah ich mir wieder einmal Ridley Scotts Filmklassiker "Alien" an, weil ich einen Artikel darüber schrieb. Ich war wie vor den Kopf gestoßen, als ich bemerkte, die weiße Kommandokapsel der Nostromo sah der Kommandozentrale meiner eigenen Geschichte erschreckend ähnlich. Ich dachte, es wäre meine Erfindung gewesen, aber das war es nicht - so kann man sich täuschen.
  Fasziniert bin ich auf jeden Fall von der Ironie in Joe R. Lansdales Kurzgeschichten, den pointierten Dialogen von Dennis Lehane und der rasanten Entwicklung von Konflikt und Handlung in den Romanen von Ben Bova. Das sind drei großartige Autoren, und wenn ich einen Einfluss nennen müsste, dann jenen von diesen drei Schreibern.

  Bisher haben Sie nur Erzählungen veröffentlicht. Liegt ihnen diese Form besonders, oder lassen sich für Romane dieses Genres schwerer Verlage finden?

  Wer zu schreiben beginnt, sollte sich nicht unbedingt gleich an einen Roman heranwagen. Die Struktur eines Plots, die Entwicklung von Charakteren, das Schreiben von Dialogen, den Aufbau von Szenen und das Arbeiten am guten Stil lassen sich bei Kurzgeschichten besser üben. Und Schreiben ist reine Übungssache! Einen guten Roman aus dem Boden zu stampfen, den ein Verlag veröffentlichen würde, ist meist eine Aufgabe von mehreren Jahren, den schüttelt man nicht einfach aus dem Ärmel. Von daher ist es leichter eine Kurzgeschichte in einem Magazin unterzubringen.
  Ob sich keine Verlage finden lassen? Es mangelt ja nicht an Verlagen, die gute Romane bringen möchten, sondern eher an Autoren, die gute Romane schreiben. Mein erster Roman aus dem Jahr ´96 ist ein Fall für den Papierschredder - nicht zu veröffentlichen! Bei meinem zweiten SF-Roman habe ich die Fehler des Erstlingswerks nicht mehr gemacht. Allerdings muss der Text noch gründlich überarbeiten werden. Das habe ich mir für 2002 vorgenommen, mal sehen ...

  In Österreich gibt es ja keine bedeutenden Verlage, die Phantastische Literatur, wie Sie sie schreiben, veröffentlichen. War es als Österreicher schwer, in der deutschen Szene Fuß zu fassen?

  Ich würde nicht behaupten, dass die österreichische Phantastikszene nicht existiert. Da gibt es den Carl Ueberreuter Verlag in Wien, der einige Fantasy-Bestseller von Wolfgang Hohlbein im Programm hat, oder den etwas kleineren Wiener Aarachne Verlag, der Sciencefiction Romane und schräge SF/Horror-Anthologien im Programm führt. Die Stockerauer Edition Mono brachte die Erstlingswerke von Michael Marrak heraus ... ja, und das war´s dann, Sie haben recht!
  Als Phantastik-Autor hat man keine andere Chance, als zu versuchen in die deutsche Szene vorzudringen, beispielsweise mit Kurzgeschichten für die Magazine Solar-X, Fantasia, Andromeda oder Alien Contact. Ja, und das war mit meinen ersten Geschichten nicht so einfach! Allerdings lag es nicht daran, dass ich Österreicher bin. Die deutsche Phantastik-Szene darf man sich nicht als abgeschottete elitäre Clique vorstellen, viel eher lag es daran, dass wie zuvor erwähnt, Schreiben gelernt sein muss. Selbst ein kleines Magazin veröffentlicht keine plumpen, holperigen Texte. Viele Stories in den sogenannten Fanzines (Magazinen von Hobbyautoren) haben durchaus die Qualität in der Anthologie eines Großverlags gedruckt zu werden.

  Die deutschsprachigen Magazine aus diesem Bereich scheinen auch ihre Probleme zu haben. Alien Contact z.B. gibts ja nicht mehr als Printausgabe sondern nur mehr online. Und die größeren Verlage forcieren auch nicht unbedingt deutschsprachige Phantastische Literatur.

  Liegt wohl daran, dass man im Fernsehen mit Endlos-Sciencefiction-Serien überschwemmt wird, und nur noch wenige zum Buch greifen. Insofern ist Miss Rowling etwas Einzigartiges gelungen: Die Jugendlichen und Erwachsenen lesen wieder. Innerhalb von nur vier Jahren mit vier Büchern eine Auflage von über hundertzwanzig Millionen zu schaffen, ist gigantisch. Ich persönlich freue mich über diesen Trend, der bestimmt eine positive Wirkung auf den Buchmarkt hat.

  Es gibt aber viele Texte dieses Genres im Internet. Sie sind da ja auch stark vertreten. Auf der einen Seite bietet das Internet also eine ideale Plattform für weniger prominente Autoren. Auf der anderen Seite bietet es vermutlich nicht die Verdienstmöglichkeiten, wie eine Veröffentlichung bei einem Verlag. Wie schätzen Sie diese Entwicklungen ein?

  Wie schätze ich diese Entwicklung ein: Gefährlich rasant! Schon vor vielen Jahren habe ich als Besucher auf Buchmessen und SF-Conventions immer wieder die gleiche Frage gestellt: Wie lange wird es das gedruckte Buch noch geben? Alle zeigten sich positiv, niemand beängstigt. Ich war schon damals skeptisch. Meiner Meinung nach ist es nur eine Frage der Zeit, bis das letzte gedruckte Buch vom Markt verschwindet, ähnlich wie schon vor einem Jahrzehnt die letzten LPs aus Vinyl von den CDs verdrängt wurden. Was bleiben wird, sind Nostalgie-Sonderdrucke. Ich finde diese Entwicklung traurig, weil ich gerne ein Buch aufschlage, den Buchrücken knacken höre, das Papier rieche und Notizen im Buch mache. Ich trage immer ein Buch mit mir herum und lese, wo ich mich gerade befinde, in der U-Bahn, im Park, bei MacDonald´s oder im Wartezimmer eines Arztes. Ich finde den Gedanken schrecklich, ein ebook am Laptop lesen zu müssen, aber die Entwicklung wird kommen, daran gibt es nichts zu rütteln. Mein jüngstes Buch "Die letzte Fahrt der Enora Time", ein Erzählband mit sieben SF-Kurzgeschichten, gibt es zwar auch als ebook unter www.epilog.de/shayol/index.html zum downloaden, ich selbst drucke mir die interessanten Texte aus dem Internet aber meistens aus. Auf der Couch neben dem Kamin zu lesen ist doch gemütlicher, als im Arbeitszimmer vor der Flimmerkiste.
  Zurück zu Ihrer Frage: Im Moment wird niemand mit Internetliteratur reich, vielleicht ändert sich das in den nächsten fünf Jahren.

  Science Fiction-Autoren auf qualitativ hohem Niveau gibt es relativ viele im deutschsprachigen Raum. Im Bereich Horrorliteratur sind es schon deutlich weniger. Aber bei der offensichtlich erfolgsträchtigen Fantasy (z.B. Hohlbein) schauts diesbezüglich sehr mager aus. Gibt es für gute Fantasy zu wenig Leser oder liegt vielen Autoren das Genre nicht?

  Oha! Fantasyleser gibt es mehr als Sciencefiction- und Horrorleser zusammen. Doch das Genre der Fantasy bringt es mit sich, dass ein Fantasyband, der sich diese Bezeichnung auch wahrlich verdient, mindestens siebenhundert Seiten dick sein muss, und eine Fantasy-Saga unter fünf Bänden, wohl kaum der Rede wert ist. Die angloamerikanischen Autoren haben uns diesbezüglich die Latte ziemlich hoch gelegt, und es gibt nur wenige deutschsprachige Autoren, die da mithalten können. Eigentlich fallen mir nur zwei ein: Wolfgang Hohlbein und Kai Meyer, wobei es Meyer wunderbar schafft, die historische Mystik auf deutsche und österreichische Schauplätze zu übertragen.

  Auffällig ist auch, dass bei deutschsprachigen Autoren der Phantastischen Literatur Satire und Humor ziemlich selten sind oder zumindest nur sehr zurückhaltend eingesetzt werden. Zufall oder Trend?

  Bedauerlich, aber es stimmt. Deutschsprachige phantastische Literatur liest sich im Vergleich zur Angloamerikanischen kühl, sachlich distanziert und leider oft emotionslos. Versucht ein Autor witzig zu schreiben, wirkt es aufgesetzt und plump. Warum das so ist, kann ich nicht sagen. Ich vermute, der Humor wurde von den Deutschen nicht gerade erfunden. Ich selbst versuche bei meinen Texten Zynismus und Ironie nicht zu kurz kommen zu lassen, vor allem bei Dialogen funktioniert dieses Stilmittel recht gut. Als großartige und witzige Dialogschreiber möchte ich noch einmal die Amerikaner Lehane und Lansdale erwähnen. Da können wir deutschsprachigen Autoren uns eine Scheibe abschneiden.

  In der Science Fiction gibt es ja auch Tendenzen, Modeerscheinungen und Entwicklungen. Aliens z.B. spielen zur Zeit selten eine wichtige Rolle bei deutschsprachigen Autoren des Genres dafür ist der Einfluss des Cyberpunk mit seinen düsteren Zukunftsszenarien noch immer deutlich merkbar. Ist das eine, vielleicht unterbewusste Weiterentwicklung, weg von der nicht erstgenommenen Schundheftliteratur?

  Bestimmt! Und es wird zeitweise übertrieben. Ich finde es traurig, dass literarisch wertvoll oft gleichgesetzt wird mit einer qualvoll endlosen Schilderung von Verfall, Sinnlosigkeit und dystopischer Hoffnungslosigkeit. Als hätte irgend jemand festgelegt: Wer intellektuell schreiben will, muss genau so etwas schreiben! Wir alle wissen, dass es mit diesem Planeten bergab geht, in Zeiten von Rassenhass, Terrorismus, Umweltverschmutzung, politischen Intrigen, Müll-, Atom- und Giftgas-Skandalen, der Entwicklung zum Polizeistaat und den Vermarktungswellen der Mega-Konzerne. Diese Gefahren literarisch aufzuzeigen bringt nichts mehr ... im Gegenteil, die Leser stumpfen ab, genauso wie die Fernsehzuschauer der Abendnachrichten.
  Was wir brauchen, ist eine andere Art der Literatur: Texte, die nicht bloß warnen, denn das kennen wir ohnehin schon, sondern Texte, die aufzeigen, wie wir aus diesem Schlamassel rausfinden. Kritik alleine ist zu wenig - Lösungsvorschläge sind gefragt. Teilweise versuche ich das mit meinen Texten. Ich möchte keine Stimmung der Resignation schaffen, sondern ich stoße meine Protagonisten in Konflikte und lasse sie daran arbeiten, diese zu meistern. Manche versagen, aber manchen gelingt es.

  Offensichtlich verkaufen sich SF-Serien u.ä. bedeutend besser als Romane oder gar Anthologien mit Erzählungen.

  Seit Jahrzehnten jammern Verlage, dass sich Anthologien nicht verkaufen. Schade, denn ich bin ein Fan von Anthologien, ich sammle richtiggehend Kurzgeschichten und habe mir selbst den Spaß erlaubt, auf meiner Webseite einen Award für die besten Kurzgeschichten der Phantastik zu vergeben.
  Ich selbst bin kein Freund von Serien, auch wenn ich zuvor Mark Brandis erwähnt habe, eine Buchreihe, die ich mit Begeisterung gelesen habe. Eigenständige Romane finde ich interessanter, denn die müssen das schaffen, was eine ganze Serie schafft: eine dicht geschilderte Atmosphäre, interessante Charaktere und eine spannende Handlung ... und das, zwischen zwei Buchdeckeln. Darüber hinaus will ich mir nicht die Zeit für eine Serie nehmen. In meinem Regal warten im Moment an die hundertdreißig Bücher darauf, gelesen zu werden, und am liebsten würde ich mit jedem einzelnen gleich morgen beginnen. Aber spätestens dann, wenn es nur noch ebooks gibt, habe ich die Zeit, alle die Bände zu lesen.

  Ist die finanzielle Versuchung für einen Autor nicht sehr groß, den Einstieg in einer Serie zu versuchen? Oder ist es nicht so einfach, dort reinzukommen?

  Als Autor ist es kaum möglich, mit Kurzgeschichten Geld zu verdienen. Das ist das eine Problem. Aber es ist auch schwierig, in ein gut funktionierendes Autoren-Team reinzukommen. Man muss schon ein routinierter Schreiber sein, um rechtzeitig zum Abgabetermin den Text fertig zu stellen, der sich streng an ein Serien-Exposé hält und nicht die Handlung sämtlicher Vorgänger- und Nachfolgeromane über den Haufen wirft.
  Von Andreas Findig, einem österreichischen Perry Rhodan Autor, weiß ich, dass er an seinem ersten Perry-Rhodan-Heftroman sechs Wochen geschrieben hat ... und wen wundert das? Sind doch die Exposé-Vorgaben dicker als letztendlich der gesamte Roman.
  Auch schildert der Bestsellerautor Orson Scott Card in seinem Sachbuch "How to write Science Fiction" wie schwierig es ist, ein Buch zu einer Serie zu verfassen. Man kann nicht einfach ein Star Trek, Star Wars oder Aliens Buch schreiben und hoffnungsfroh dem Verlag schicken. Das geht schief! Zuerst muss der Vertrag ausgehandelt werden, dann bekommt man das Exposé zugeschickt.

  In Ihrem letzten Buch "Die letzte Fahrt der Enora Time" decken Sie ein breites Spektrum innerhalb des Genres ab. Gibt es bestimmt Themen in der SF, über die Sie besonders gerne schreiben?

  Raumschiffe faszinieren mich besonders. Die beiden längeren Texte im Buch spielen an Bord von Patrouillenschiffen und Raumkreuzern, und das deckt gut die Hälfte des Bandes ab.
  Besonders fesselt mich auch die Kombination von Horror mit Sciencefiction - was die Zukunft bringt, muss schon auch ein bisschen unheimlich und gefährlich sein, ansonsten wäre sie unrealistisch. Nicht zuletzt finde ich auch moderne Technologien wie Genetik, Neurochips und Biocomputer auf eine erschreckende Weise faszinierend. Was würde passieren, wenn Menschen mit Computern verschmelzen, intelligente Raumsonden ihren Willen durchsetzen oder gar Menschen von Computerviren befallen werden?

  Erscheint Ihnen eine oder mehrere der sieben Geschichten in "Die letzte Fahrt der Enora Time" als besonders gelungen? Oder lässt sich das als Autor schwer sagen, weil jede ans Herz gewachsen ist?

  Würde mir der Lektor empfehlen eine der sieben Geschichten aus dem Buch zu nehmen, ich wüsste nicht, welche ich "vernichten" sollte. Jeder Text ist mir ans Herz gewachsen, ansonsten wäre er nicht geschrieben worden. Zudem habe ich Scheuklappen und kann nicht beurteilen, welcher Text gelungen, welcher misslungen ist. Ich kann mich nur auf das Urteil der Leser verlassen ... und eines habe ich gelernt: Der Leser irrt nie! Es gibt Autoren, die behaupten, ihre Leser hätten die Geschichte nicht kapiert. Ist das zu fassen? Eine arrogantere Haltung gibt es wohl kaum. Der Leser kann nur das verstehen, was ihm der Autor vermittelt, und wenn der Leser etwas nicht "kapiert", dann hat der Autor einen Fehler begangen.
  Einige meiner Texte wurden von Rezensenten kritisiert (was deren gutes Recht ist - auch nachzulesen auf meiner Webseite), doch was bisher immer gut abgeschnitten hat, waren meine drei längeren Novellen. Eine ist in dem gleichnamigen Band "Der fünfte Erzengel" zu finden, die anderen beiden sind "Rendezvous" und die Titelgeschichte in "Die letzte Fahrt der Enora Time". Liegt darin meine Stärke? Ich kann es nicht beurteilen. Wenn man den Lesern glauben darf, dann ja.

  Gibt es schon Pläne für weitere Veröffentlichungen und einen Verlag dafür?

  Pläne gibt es genug, Verlag noch keinen. Immer mehr zieht es mich weg von düsteren Erzählungen, die meist traurig enden, hin zu rasanten Geschichten, mit einer Spur Witz und einem Happyend. Als nächstes Buch schwebt mir eine Storysammlung um meinen jiddischen Wiener Privatdetektiv vor, der mit seinem homosexuellen Freund der Wiener Polizei ins Handwerk pfuscht und mysteriöse Kriminalfälle löst. Dabei gibt es nebst Spannung auch viel zu lachen. Es sind fünf eigenständige Geschichten, verknüpft mit einer Rahmenhandlung. Wie gesagt, noch kein Verlag - zuvor müssen die Texte noch den stilistischen Feinschliff bekommen, ehe ich das Manuskript zur Post trage. Danach folgt, wie bereits erwähnt, mein erster SF-Roman, der ebenfalls auf die stilistische Endkorrektur wartet.
  Und dann ist es mit meiner Schriftstellerei hoffentlich soweit gediehen, dass ich mich auf weitere Romane konzentrieren kann. Ausgearbeitete Exposés zu den verschiedensten Themen liegen griffbereit in meiner Schublade, ich muss nur die Zeit finden, die Romane zu tippen.

  Sie halten ja Schreibkurse. Wo machen Sie das und was kann man sich darunter vorstellen? Und nicht zuletzt, was kostet es?

  Ich miete einen Saal für zehn bis zwölf Personen, meist im Bezirk Baden (NÖ), denn da habe ich nicht so weit zu fahren. Immerhin muss ich eine Flipchart, Getränke und Bücher mitschleppen, und manchmal sogar einen CD-Player oder einen tragbaren Heizradiator, wenn es besonders kalt ist. Wenn die Finger blau anlaufen, schreibt es sich nicht so gut.
  Die Workshops werden in den umliegenden Gemeindekurieren inseriert bzw. in Literaturzeitschriften. Anfangs dachte ich, es würden sich nur drei bis vier Personen melden, und startete den ersten Schreibkurs als Experiment, doch wie es scheint, gibt es mehr Leute, die schreiben lernen wollen als Leute, die lesen.
  Ein Abend mit drei Stunden kostet ATS 150,- d.h. ein Workshop mit sechs Abenden ATS 900,- (EUR 65,-) und für zehn Abende ATS 1.500,- (EUR 109,-). Die Kursteilnehmer sollen in diesen Kursen die eigene Kreativität nützen lernen, einen Einblick in die Grundlagen der Erzähltechnik erhalten, mit Schreibspielen und handwerklichen Kniffen den eigenen Stil entwickeln und die Texte lebendiger und wirksamer gestalten. Anfangs sind einige Kursteilnehmer noch erschüttert, wenn sie erkennen, wie viele Stilfehler es gibt, dass man guten Stil mühsam Schritt für Schritt lernen muss und eine gute Geschichte nach einem Exposé funktioniert und nicht wild darauf runtergetippt wird. Doch dann, wenn die einzelnen Tipps und Kniffe geübt werden, sind sie Feuer und Flamme.

  Woher glauben Sie stammt das Interesse, schreiben lernen zu wollen?

  Im Kurs kommt immer wieder eines deutlich heraus: Die Teilnehmer sind dankbar für jeden Hinweis, der ihnen zeigt, wie man schreibt. Ich sage nicht, dass man es so machen muss, die Kunst ist schließlich frei und soll es auch bleiben, doch ich zeige einen Weg, wie man es machen kann, wie man eine Geschichte verbessern könnte, wie man mehr aus einem Text herausholt.
  In Österreich sind solche Kurse rar. Meist wird nur im Kaffeehaus gesessen und über den Sinn des Wortes philosophiert. Den österreichischen Autoren mangelt es meiner Meinung nach an der Selbstüberwindung, schreiben zu unterrichten. Sie wollen sich nicht durch Regeln oder ein Handwerk einengen lassen. Sie müssen kreativ und künstlerisch bleiben, und übertreiben es, sodass ihre Experimentaltexte unlesbar bleiben. Da wundert es mich nicht, wenn die Leser den Text nicht "kapieren". Da haben uns die deutschen Autoren etwas voraus. Seit Jahren gibt es u.a. in Wolfenbüttel (Norddeutschland) regelmäßig Schreibworkshops, wo Profiautoren den Nachwuchs unterrichten. In den USA ist das seit vierzig Jahren gang und gäbe. Die Deutschen haben dieses Handwerk übernommen und lehren es. Die österreichischen Autoren sind sich scheinbar zu gut für so etwas. Aber der Durst, das Handwerk Schreiben zu erlernen ist da, ich merke es im Kurs ... vielleicht deshalb, weil in Österreich zu wenig Workshops angeboten werden.
  Es genügt nicht, dass Literatur stilistisch gut geschrieben ist. Sie muss auch zupacken! Das versuche ich im Kurs zu vermitteln.

Herzlichen Dank und viel Erfolg bei zukünftigen Projekten!

Von Alfred Ohswald

Andreas Grubers Webseite
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