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Interview mit Andreas Eschbach


© Olivier Favre

  Der im 1959 in Ulm geborene Andreas Eschbach begann ein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik, arbeitete dann aber als Softwareentwickler und Selbstständiger. Seit 2003 lebt er in der Bretagne in Frankreich.
  1995 veröffentlichte er seinen ersten Roman „Die Haarteppichknüpfer“, es folgten „Solarstation“, der Megaerfolg „Das Jesus Video“, „Kelwitts Stern“, „Quest“, „Eine Billion Dollar“, „Perfect Copy“, „Exponentialdrift“, „Der Letzte seiner Art“, „Die seltene Gabe“, „Der Nobelpreis“, „Ausgebrannt“, „Ein König für Deutschland“, „Herr aller Dinge“, „Todesengel“, „Der Jesus-Deal“, „Aquamarin“, „Teufelsgold“, den Sechsteiler „Das Marsprojekt und die „Out“-Trilogie. Weiters die Kurzgeschichtensammlung „Eine unberührte Welt“ und zahlreiche andere Kurzgeschichten in verschiedenen Publikationen sowie einige Hefte und das Buch „Die falsche Welt“ der Sience-Fiction-Serie „Perry Rhodan“
  Für viele seiner Romane erhielt er Auszeichnungen, wie mehrmals den Deutschen Science Ficton Preis, den Kurt-Laßwitz-Preis, den Deutschen Phantastik Preis und noch einige weitere.

 

  Sowohl Ihr Studium, als auch viele Ihrer Romane, nicht zuletzt ihr erfolgreicher Erstling, zeigen Ihr Interesse für Science Fiction. Wodurch wurde das geweckt?

  Das ist mir irgendwie in die Wiege gelegt worden. Egal, wie weit ich mich in meine Kindheit zurückerinnere, es hat keine Zeit gegeben, in der mich Raumschiffe, Roboter und dergleichen nicht schon maßlos fasziniert hätten, sei es im Fernsehen oder in Büchern.

  Bei Perry Rhodan müssen Sie sich ja in ein vorgegebenes Setting einfügen. Fällt ihnen das leicht, oder schreiben Sie lieber Bücher, die vollständig eigenständig sind?

  Bei meinen eigenen Büchern muss ich alles selber erfinden – die Figuren, die Handlung und so weiter. Wenn ich zwischendurch einen Heftroman für die Perry Rhodan-Serie schreibe, ist fast alles schon da – die Handlung ist in groben Zügen vorgegeben, da das Heft ja Teil einer großen umfassenden Geschichte ist und möglichst nahtlos hineinpassen muss, die Figuren sind alle schon bekannt, und das Perry-Rhodan-Universum ist sowieso schon da. Ich kann mich also ganz aufs Schreiben selbst konzentrieren. Das ist fast Erholung. Und ein großer Spaß sowieso.

  Waren die Erfolge von „Die Haarteppichknüpfer“ und erst recht von „Das Jesus Video“ ein wenigBelastung, weil dadurch hohe Erwartungen für Ihre weiteren Bücher geweckt wurden, oder eher eine Erleichterung, weil Sie ihnen die Möglichkeit gaben, sich ausschließlich auf die Schriftstellerei zu konzentrieren?

  Wenn man jahrzehntelang geschrieben hat, ohne dass es irgendwen interessiert hat, dann ist es eindeutig eine Verbesserung, wenn man weiß, jemand wartet auf ein neues Buch. Ich empfinde es als großes Privileg, mich ganz aufs Schreiben konzentrieren zu können – dafür nehme ich ein bisschen Erwartungsdruck gern in Kauf!

  Waren Sie bei der Verfilmung von „Das Jesus Video“ beteiligt und was waren Ihre Eindrücke dabei?

  Nein, daran war ich überhaupt nicht beteiligt. Ich habe sogar von den Dreharbeiten erst erfahren, als sie schon abgeschlossen waren.

  Neben der Science Fiction scheint Sie sich sehr intensiv für Wirtschaftsthemen zu interessieren, wenn man die Thematik Ihrer Bücher verfolgt?

  Ja, das ist doch aber auch ein sehr interessantes Thema, oder? Zumal eines, das in der Literatur viel zu selten behandelt wird, obwohl es für unser aller Leben eigentlich eine zentralere Rolle spielt als etwa die Frage, wer wen aus welchen Gründen umgebracht hat. Wobei ich zudem eine Vergangenheit als IT-Unternehmer habe; da war ich mit diesen Dingen zwangsläufig konfrontiert und habe so meine Erfahrungen gemacht.

  Wenn man Ihre Wirtschaftsthriller verfolgt, bekommt man den Eindruck, Sie befürchten eine ökonomische Krise?

  Tun wir das nicht alle? Wobei ich mich nicht als Experte verstehe. Aber eines wird, glaube ich´, nie aufhören, mich zu faszinieren: Das Finanzwesen, das Geld und alles darum herum, ist zu hundert Prozent menschliche Erfindung – und trotzdem haben wir es nicht im Griff, ja, wir verstehen nicht einmal wirklich, wie es funktioniert! Es ist ja nicht so, als käme da irgendeine Naturgewalt über uns. Nein, das ist alles Produkt unseres Verstandes, auf den wir so stolz sind.

  In einigen Ihrer Bücher (Musterbeispiel „Ausgebrannt) fällt Ihre Beschreibung verschiedener Regionen positiv auf. Wie recherchieren Sie das?

  Unterschiedlich. Manchmal, indem ich hinfahre und mir alles anschaue. Manchmal sind es Orte, an denen ich aus anderen Gründen schon war – in Irland zum Beispiel haben wir einfach Urlaub gemacht, und erst dort ist mir die Idee gekommen, die Geschichte des »Letzten seiner Art« dorthin zu verlegen. In den USA war ich um meinen 30. Geburtstag herum, bin einen Monat lang mit Greyhound-Bussen von der Ostküste bis an die Westküste gefahren. Das Reisetagebuch von damals ist immer noch nicht ganz ausgeschöpft. Aber manchmal reicht auch die Methode Karl May – Reiseberichte, Landkarten, Bildbände. Und was hätte Karl May wohl aus Google Streetview gemacht?

  Ebenfalls in „Ausgebrannt“ glänzen Sie durch spezielle, österreichische Ausdrücke in den Dialogen eines Ihrer Charaktere. Hatten Sie da Hilfe aus Österreich?

  Nein, sondern ein kleines Lexikon »Österreichisch – Deutsch«. Es hat mir riesigen Spaß gemacht, darin zu schmökern!

  Herzlichen Dank und viel Erfolg für künftige Projekte!


Von Alfred Ohswald am 6. 12. 2016