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Interview mit Michael Rothballer

 

   Der 1974 in München geborene Michael Rohtballer studierte Mikrobiologie, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Neben der Fantasy-Trilogie „Vermächtnis der Schwerter“ schrieb er noch das Jugendbuch „Das Geheimnis der Dracheninsel“.

 

  Welche literarischen Vorbilder haben Sie und welche persönlichen Vorlieben beim Lesen?

  Am meisten inspiriert hat mich J.R.R. Tolkiens Herr der Ringe. Den habe ich mit ungefähr 12 Jahren das erste Mal gelesen und seitdem bin ich praktisch der Fantasy verfallen. Auch David Eddings mag ich sehr gerne. Historische Romane lese ich aber mindestens genauso oft, aber da fällt es mir sehr schwer, mich auf einen Autor festzulegen. Sehr faszinierend fand ich „Ein Kampf um Rom“ von Felix Dahn, vor allem wegen der Tiefe seiner dargestellten Charaktere, insbesondere des tückischen Gegenspielers der Goten, Cethegus.


  Stand die Entscheidung für Fantasy als Erstlingswerk fest oder entstand die Idee zu „Das Geheimnis der Dracheninsel“ vorher?

  Ich begann schon recht früh mit dem Vermächtnis der Schwerter (das damals aber noch nicht so hieß), so etwa mit fünfzehn. Ich schrieb eine Weile recht ziellos vor mich hin, einfach aus einem inneren Bedürfnis heraus, eine Geschichte zu erzählen. Erst nach vielen Jahren ergab sich dann die Möglichkeit, das Buch dem Loewe Verlag vorzulegen. Erst zu diesem Zeitpunkt war ich plötzlich gezwungen, mir die gesamte Handlung zu überlegen und in einem Exposee festzuhalten. Während dieses Exposé zusammen mit den ersten hundert Seiten dann beim Verlag begutachtet wurde, ergab sich zufällig die Möglichkeit, mich an der Serie Abenteuer Forschung des Loewe Verlags mit einem Buch über Charles Darwin auf den Galapagosinseln zu beteiligen. So war dann das Kinderbuch „Das Geheimnis der Dracheninsel“ mein erstes veröffentlichtes Werk.

 

   Planen Sie Ihre Bücher eher akribisch oder schreiben Sie meist drauflos?


  Nun, ich würde sagen, beides trifft zu. Ich habe ja in meiner vorigen Antwort schon beschrieben, wie ich mit dem Vermächtnis der Schwerter angefangen habe. Das einfach so Drauflosschreiben ist in gewisser Weise die schönere Art zu schreiben, da sie einen maximalen Freiraum für Kreativität lässt. Da entstehen einfach neue Charaktere und Handlungsstränge zwischen einer Zeile und der nächsten, ohne dass man es gleich realisiert. Das macht großen Spaß, ist aber erschreckend inkompatibel mit einem festen Abgabetermin. Sobald irgendein heranschleichendes Datum ins Spiel kommt, hilft nur ein genauer Zeitplan und eine einigermaßen präzise Vorstellung davon, wo die Handlung hin soll. Hätte ich so weitergeschrieben wie am Anfang, wäre ich vermutlich bis heute nicht über die Tore der Kriegerschule Erenor hinausgekommen.


  Ihre Charaktere sind für einen Jugendroman ziemlich vielschichtig. Stand dieses Genre von Anfang an fest oder schrieben Sie einen normalen Fantasy-Roman und die Genre-Einordung geschah mehr durch den Verlag?


  Im Grunde habe ich mir nie wirklich überlegt, für wen ich schreibe, denn ursprünglich erschien mir das vollkommen vermessen, darauf zu hoffen, dass meine Geschichte von mehr als ein paar Freunden gelesen werden würde. Also habe ich zunächst nur für mich geschrieben. Darum wollte ich auch einen Fantasyroman machen, der die beiden Eigenschaften meiner liebsten Jugendbücher, Der Herr der Ringe und Ein Kampf um Rom, in sich vereint: Eine komplexe erfundene Welt mit tiefgründigen Charakteren ohne gut/böse Stereotypen. Diese eher „zielgruppenblinde“ Rohfassung wurde dann natürlich schon vom Lektorat des Loewe Verlags ein wenig mehr in Richtung Jugendbuch ausgelenkt, wobei ich jetzt nicht sagen kann, dass ich mich dazu sonderlich verbiegen musste. Es gab allerdings schon die ein oder andere Szene oder Textstelle, die von mir nur mit ein wenig Wehmut ins Buchstabennirvana geschickt wurde.


  In „Tausendsturm“ ließen Sie gegen Ende die Beschreibung eines Überfalls auf eine Sklavenkaravane praktisch weg. Sie wird untypischerweise nur kurz erwähnt. Ist das ein Beispiel für eine nachträgliche Streichung, um den Text etwas zu verkürzen oder fiel die Szene schon beim Schreiben unter den Tisch?

  Wie bereits erwähnt, vertrug sich nicht jede Szene immer mit allen Ansprüchen, die an ein Jugendbuch gestellt werden müssen. Tatsächlich habe ich mittlerweile schon von mehreren Fantasyautoren gehört, die als krönenden Abschluss ihrer Karriere nochmal ihr Erstlingswerk im Eigenlektorat herausbrachten, also so, wie sie es vor der Einflussnahme durch Verlag/Lektorat geschrieben hatten. Ich denke zwar nicht, dass ich es einmal als Autor zu solchem Ruhm bringen werde, um mir das erlauben zu können, aber falls doch, verspreche ich hiermit dann ebenfalls quasi ein „Vermächtnis uncut“ herauszubringen.


  Planen Sie weitere Fantasy- oder Jugend-Bücher oder wollen Sie sich in Zukunft auch andere Genres zuwenden?


  Taj, das schließt nun ganz direkt an die vorige Frage an. Ich würde gerne mein nächstes Buch für Erwachsene schreiben, nicht weil ich nicht gerne meine Geschichten jugendlichen Leser näherbringen möchte, sondern nur um oben erwähnte Einschränkungen zu umgehen – also einfach wieder drauflos schreiben.

  Herzlichen Dank und viel Erfolg für künftige Projekte!


Von Alfred Ohswald am 25. 6. 2015