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Eduard Claudius

   Eduard Claudius wurde am 29. Juli 1911 als Eduard Schmidt als Sohn eines Bauarbeiters geboren. Sein Geburtsort ist Buer, heute ein Stadtteil der Ruhrgebietsstadt Gelsenkirchen. Er absolvierte 1925 bis 1927 eine Maurerlehre und arbeitete auch zunächst in diesem Beruf. Ab 1927 betätigte er sich in der Gewerkschaftsarbeit. In den Jahren 1929 bis 1932 war er in Österreich, der Schweiz, Frankreich, Italien und Spanien auf Wanderschaft. 1932 trat er der KPD bei. Als die Nationalsozialisten die Macht ergriffen, wurde Schmidt / Claudius (wann und warum er seinen Namen änderte, ist mir nicht bekannt) zunächst verhaftet. 1934 wanderte er in die Schweiz aus. Dort engagierte er sich im antifaschistischen Widerstand. 1936 wurde er von den Schweizer Behörden verhaftet, konnte aber nach Spanien fliehen.

  Claudius nahm bei den Internationalen Brigaden auf republikanischer Seite am spanischen Bürgerkrieg teil. bedingt durch eine Verwundung war er später Kultur- und Kriegskommissar. 1938 wurde er in Frankreich interniert. 1939 gelang ihm die Flucht in die Schweiz. Da er sich illegal im Land aufhielt, wurde er erneut verhaftet. Die Jahre 1939 bis 1945 verbrachte er in verschiedenen Schweizer Arbeitslagern. Anfang 1945 schloss sich Claudius der italienischen Partisanenbrigade "Garibaldi" an. Im Juli 1945 kehrte er dann nach Deutschland zurück. Von 1945 bis 1947 war er dann Pressechef des bayerischen Ministeriums f?t Entnazifizierung. Nach einer kurzen Zeit in seiner Heimat im Ruhrgebiet wanderte er in die Sowjetische Besatzungszone aus. Claudius ließ sich in Potsdam nieder.

  In der DDR arbeitete Claudius bis 1956 als freiberuflicher Schriftsteller. Ab 1956 gehörte er dem Diplomatischen Corps seiner Wahlheimat an. 1956 - 1959 war er Generalkonsul in Syrien, 1959 - 1961 Botschafter der DDR in Nordvietnam.

  Das literarische Werk von Eduard Claudius besteht aus Romanen, Reportagen, Memoiren, Reiseberichten und Dramen.

  Eduard Claudius dürfte bei uns in Westdeutschland ziemlich unbekannt sein. "Warum soll ich mich mit jemandem beschäftigen, der als westdeutscher Kommunist in die DDR gegangen und dort Karriere gemacht hat," könnte man nun empört fragen. So folgerichtig die Biographie auch gewesen sein mag, so anrüchig, weil landesverräterisch muss sie auf überzeugte Demokraten wirken.

  Sind seine Bücher überhaupt bei uns in Westdeutschland veröffentlicht worden? Sind sie heute noch im Buchhandel erhältlich? Muss man möglicherweise in entsprechend ausgerichtete Fachbuchhandlungen in Ostdeutschland gehen, um seine Bücher kaufen zu können? Keine Ahnung.

 Sein Buch "Menschen an unserer Seite" ist 1951 erschienen. Es handelt von einem sozialistischen Aktivisten. Die Literaturkritik der DDR feierte es als "Musterbeispiel für ein Werk des staatlich geforderten sozialistischen Realismus". Das sagt doch schon alles über den Autoren, oder? Warum soll man sich da noch mit ihm beschäftigen, wenn nicht aus heimatkundlichem Interesse heraus?

Von Andreas Rüdig